Guten Morgen liebe Leser,
eigentlich hatte ich ja versprochen, mich noch aus Trujillo bei euch zu melden. Tja, aber wie das in Südamerika so ist, es klappt nie so, wie man sich das gedacht hat.
Mittlerweile bin ich schon wieder über eine Woche in Deutschland, bin in München gelandet, war mit einem Freund in Bielefeld und schreibe euch heute aus dem schönen Saarland, das doch immer wieder dieses „Heimat“-Gefühl auslöst. So richtig gewöhnt an all das hier habe ich mich noch nicht. Aber gefreut darauf, das habe ich mich schon. Die Tage nach dem amaZOOnico haben mir den Abschied von Südamerika nicht all zu schwer gemacht. Es war anstrengend. Aber es gab auch sehr, sehr schöne Momente…was red ich? Lest doch selbst ;)
31. März, Martes: Ein kleines musikalisches Mädchen als Wecker…
Miriam und ich werden etwas zu früh geweckt von einem kleinen Mädchen, das auf so einem elektrischen Kinder-Klavier rumklimpert, direkt vor unserem Fenster. Da haben die Eltern ja echt mitgedacht, es ist noch vor 8! :D Irgendein anderer Backpacker erbarmt sich nach ner Weile und sagt ihm genervt, dass es damit doch bitte aufhören soll…ich fand das ja irgendwie lustig :D
Der letzte ruhige Tag in Tena (an dem ich euch noch geschrieben hatte) verläuft recht gemütlich, Raphaela und Dan kommen noch zum Frühstück vorbei (Raphaela fährt heute noch nach Quito weiter, Dan muss zum Arzt wegen der Bisswunde vom lieben Cedru), später treffe ich Nicole im Welcome Break (das Hostel,wo eigentlich alle Volontäre hingehen), sie hat ihren Day Off, zum Abendessen kommt noch Jo vorbei (sie ist aus Kanada, hat hier in Tena ihren Freund kennen gelernt und ist nun nach dem amaZOOnico schon ne ganze Weile hier). Nach ner leckeren Pizza im „Vagabundo“ (eine deutsche Pizzeria, die an das Hostel angeschlossen ist, super lecker!) gehts dann ins Bett. So richtig Lust aufs Busfahren morgen habe ich immer noch nicht, freue mich aber auf Nilzas Gesicht, wenn ich in ein paar Tagen bei ihr vor der Haustür stehe.
01. April, Mittwoch: Ab ins Badezimmer…Baños, ich komme!
Um viertel nach 7 steh ich auf, mach mich fertig und schlendere zum Terminal hoch, um zu sehen, welchen Bus ich nehmen kann nach Baños. Kriege ein Boleto für 10 Uhr, perfekt, so wollte ich das grade haben (kaum zu fassen). Die auf dem Rückweg in einer Panaderia gekauften Brötchen werden dann noch in Ruhe in der Hängematte gefrühstückt, danach bezahlen, letzte Sachen einpacken, um halb 10 schultere ich dann meinen zu schweren Rucksack, verabschiede mich von Miriam, sie fährt heute noch nach Quito und von da nach Otavalo (da soll ein genialer Markt sein mit allen Souvenirs, die man sich vorstellen kann).
Wir nehmen erst den gleichen Weg raus aus Tena Richtung amaZOOnico, dann aber biegen wir nicht links ab, sondern fahren grade aus weiter… :( *Seufz* Der Fahrer gibt nach einer Weile ordentlich Gas, heizt richtig um die Kurven, brettert an winkenden Leuten vorbei (die eigentlich mitfahren wollen), mir wird n bißl übel und ich krieg Kopfweh, mach die Augen zu, versuche, zu schlafen. Als ich wieder aufwache und rausschaue, ist die Landschaft draußen einfach perfekt, komme mit dem Fotografieren kaum hinterher: Regenwald, bis zum Horizont, wir fahren teilweise sehr hoch oben, so dass man einen tollen Blick hat. Super schön. Um viertel nach eins meint der Fahrer, wir wären da. Schon? Sollte doch etwa 4 Stunden dauern…hui. Ich kann mich recht schnell orientieren, der Ort ist recht klein, aber super gemütlich, touristisch hübsch ;) Christian aus München begrüßt mich in seinem Hostel, mein Zimmer ist so niedlich, wie ein eigenes kleines Häuschen, Holzboden, ein eigener großer Balkon, eine tolle Aussicht auf die umliegenden hohen grünen Berge. Ich nutze die Zeit und schaue mich in der Innenstadt um, in einem der vielen Souvenirläden finde ich sie. Die perfekte Hängematte…so ein hübsches Muster, und ich kriege sie für 12$, fast geschenkt. Jetzt brauch ich nur noch ne Wohnung, bei der ich nicht den Putz runterreiße, wenn ich nen Nagel in die Wand schlagen will :D (Aber der Umzug kommt ja bald). Ohne Abendessen gehts an dem Tag ins Bett, hab irgendwie keinen richtigen Hunger…
02. April, Donnerstag: Schweizer Steak…
An der Schule schräg gegenüber vom Hostel ist heute morgen die Hölle los. Sprechchöre und Megaphon-Durchsagen, lautes Gegröhle…geht lernen ey! Um halb 9 frühstücke ich dann unten im Garten des Hostels. Ist ok für ein Breakfast included, allerdings wird die Stimmung getrübt, als ich sehe, dass die sich einen roten Ara als Haustier halten. Er sitzt frei auf einer Stange…wahrscheinlich Federn gesstutzt, damit er nicht wegfliegen kann. Dafür kriegen sie einen Kommentar ins Gästebuch und ich schreibe noch eine Email an Joelle vom amaZOOnico, vielleicht können sie was machen.
Da eine Pferdetour alleine satte 40$ kosten würde, lass ich das lieber sein, mache mir einen ruhigen Vormittag, sitze auf dem Balkon in der Sonne. Merke, das ich hier immer wieder lächle. Später gehe ich noch mal in die Stadt, esse im Swiss Bistro (außen kuhgefleckt, schaut witzig aus) ein tolles Steak mit Kartoffelgratin, Bohnen, Rotkraut und Karottengemüse.
Ein klassischer Griff ins Klo…so könnte man dann meine nächste Etappe bezeichnen. Abends gings zum Terminal, ich hatte Folgendes geplant: So gegen 20 uhr mit einem Bus von Baños nach Riobamba, dauert 1 Stunde, dann dort noch kurz warten und um 22.30 Uhr mit dem „luxuriösen Nachtbus von Panamericana“, so der Reiseführer, durchfahren bis nach Loja (von dort aus dann im nächsten Schritt über die Grenze).
Gekommen ist es dann so: Musste bereits um 18 Uhr Richtung Riobamba starten, weil es später keine Busse mehr gab. Dafür brauchte der Bus aber auch galante 2 Stunden für die Strecke. Ich werde irgendwo im Dunkeln an der Straße abgesetzt, muss noch einen Block bis zum Terminal laufen (bißl Anspannung). Im dunklen Terminal haben so gut wie keine Schalter mehr offen, gehe die paar Beleuchteten ab. Nichts nach Loja. Ein Senor zeigt mir dann gaaaanz hinten in der Ecke den Schalter von Panamericana. Ich kann aber nicht aufatmen, die die Senorita hinter der Glasscheibe verneint, als ich nach dem Nachtbus nach Loja frage…gibts nicht. Na geil! Also stehe ich um halb 9 im Dunkeln alleine mit vollem Gepäck in einem fremden Terminal…die Hosen voll…FUCK! Ich hatte den ganzen Tag über so n blödes Gefühl bei der Aktion. In weiser Voraussicht hab ich mir schon ein Hostel in Riobamba rausgesucht, das nächste Taxi ist meins. Als ich auf meinem Bett sitze, bin ich fertig mit der Welt. Zwar erleichtert, aber trotzdem genervt…hab jetzt schon die Schnauze voll vom Alleine-Reisen, macht so keinen Spaß. Nie wieder Nachtfahrten. Jetzt verplempere ich 2 Tage. Muss morgen von Riobamba nur bis nach Cuenca (6,5 Stunden), am Tag drauf dann bis nach Loja (noch mal 6,5 Stunden)…blödes Ecuador, blöder Reiseführer…am Ende kann ich Nilza im Vorbeifahren mal winken, damit ich noch meinen Flug in Lima rechtzeitig krieg…grrrrr…CHUTA!
03. April, Viernes: Fehl am Platz…der Weg zu Gott…
Als ich in Riobamba aufwache, fühl ich mich nicht gut, habe Kopfschmerzen, bin verschnupft…die Dusche hilft erst nach ein paar Minuten, als sie endlich warm wird, so dass ich nicht mehr total durchgefroren bin. Um 9 sitz ich dann im Taxi zum Terminal, Bus um halb 10, noch ein paar Mandarinen für die Fahrt (eigentlich das perfekte Obst für Touristen, da gut zu schälen). Die Fahrt zieht sich, aber die Landschaft ist cool. Große Sumpfgebiete, jede Menge Esel, Leute bei der Feldarbeit, kleine Häuser – bunt von Wahlwerbung, harmonisch verlaufende Hügel, kuschlig mit dichtem Gras bewachsen, ab und an immer wieder kleine Feuer (wahrscheinlich Müll verbrennen oder Feld abfackeln). Die meisten Tiere sind allerdings angebunden, was traurig macht. Sehe einmal eine Kuh, die eine ganze Horde kleiner schwarzer Schweine säugt…?!? Viele Leute in tradioneller Tracht, auch die Frau, die eine zeitlang neben mir sitzt. Die spanische Heidi-Musik, die im Bus gespielt wird, passt zu dem, was ich draußen sehe. In einem kleinen Dorf gibt es ein Geschäft, dass sich „American Clothes“ nennt :D
Nach 6 Stunden steigen relativ viele Leute aus, ich frage den Senior neben mir, ob wir schon in Cuenca sind. No, meint er, ein Ort davor. Ah ok. Wir kommen ins Gespräch, das Übliche. Woher man kommt, wohin man will, wie lange man unterwegs ist. Er meint, mein Spanisch wäre schon echt gut. Als er dann fragt, ob ich alleine reise und in welches Hotel ich in Cuenca will, werd ich stutzig, ziehe meine Notfall-Karte und sage: Jetzt wär ich schon allein, aber in Cuenca warten Freunde auf mich, bei denen ich dann wohnen kann. Situation entschärft. Wäre aber nicht nötig gewesen, wie sich später rausstellt, beim Aussteigen in Cuenca nimmt der Mann liebevoll seine Frau, die weiter hinten im Bus gesessen hat, in den Arm, winkt mir noch einmal zu und geht dann mit ihr die Straße runter. Am Terminal schaue ich noch nach Bussen für Loja morgen, fahren recht regelmäßig, danach gehts in ein viel zu teures Hotel, laut Reiseführer 9-12$, in Wirklichkeit 22$! Das nenn ich Recherche, Mann, Daumen hoch! Grrr… Ich hab so keine Lust mehr, mir was anderes zu suchen, so dass ich zustimme, für eine Nacht…was solls. Das Zimmer ist ziemlich eng, aber n groooßes Bett. Gehe gleich wieder los, muss noch Traveller-Cheques wechseln, was nach einer Bank und einem Office dann im dritten Anlauf in einer Wechselstube auch klappt. Wenigstens das. Schaue mich noch ein wenig um, mir sind zu viele Menschen hier, bin angespannt. Finde noch ein Internetcafé, meine Mum kriegt noch eine Email von mir, damit die Sorgen um die Tochter etwas gedämpft werden. Ich bin müde, erschöpft, habe keinen Appetit. Habe heute nur eine kleine Tüte Chips gegessen. Auf dem Weg zum Hotel spricht mich eine Frau mit einem Mädchen auf englisch an, wollen mit mir über Gott reden…Wow…das die Zeugen Jehovas sogar Touris werben :D Ich bleibe nett und werfe die „Erwachet“-Heftchen danach in den nächsten Mülleimer. Nach Duschen und im Bett rumliegen kommt dann das „Aufs Klo rennen“…keine Ahnung, von was es kommt, vielleicht von den drei Mandarinen, die ich mir vorher noch aufgezwungen habe…jedenfalls macht mein Magen-Darm-Trakt nicht mehr mit. Durchfall, dann Kopfschmerzen, 37,7°…erhöhte Temperatur…na ganz klasse. Und morgen wieder Bus fahren…euh…
04. April, Sabado: No Comida para mi…
Beim Aufwachen fühl ich mich gar nicht gut. Mir ist schwindlig, als ich zum Klo renne. Nehme Medikamente gegen den Durchfall, hilft ja nichts. Im Bus sollte mir das nun wirklich nicht passieren. Mein Magen rumort, als ich im Taxi sitze, mir wird immer wieder leicht übel. Kriege, weil ich noch länger geschlafen habe, den Bus um 11.30 Uhr, wir fahren etwas zu spät weg, brauchen ewig, bis wir aus Cuenca rauskommen. Der Bus fährt so langsam, dass ich mit den Augen rolle und locker neben her joggen könnte. Mache noch ein paar verwackelte Fotos von der Stadt. Mehr bleibt mir nicht. Das…und Übelkeit. Die Zeit geht anfangs recht schnell rum, aber ab 3 Uhr sind auf der Straße immer wieder kilometerlange Baustellen, alles nur einspurig, wir stehen gefühlte 30 Minuten, bis wir weiter können. Immer wieder müssen wir warten, kaum mal 15 Minuten am Stück, wo wir durchfahren können. Dazu dann eine Sitznachbarin, die, so halb am Schlafen, immer wieder zu mir rüberkippt…juhu! Einmal werfe ich den vielen Straßenhunden ein bißchen Zwieback raus, was anderes hab ich nicht mehr. Ich knabbere selbst 1,5 davon. Das erste für heute…und es ist schon 16 Uhr. Die Musik im Bus geht mir langsam auf den Keks, neue Batterien für den mp3-Player sind aber im großen Rucksack…mist! Um halb 5 (eigentlich Ankunftszeit) kommt dann eine Stadt in Sicht, die sich zwischen Hügel und Berge quetscht. Sie strahlt vom Sonnenlicht, drum herum dunkle Wolken und Regen. Es hatte die Fahrt über immer wieder ein bißchen genieselt, war neblig und kühl (man merkt, dass ich in den Anden bin). Als wir dann endlich um 6 in Loja ankommen, hängt ein riesiger Regenbogen am schwarz-grauen Himmel. Am Terminal kriege ich dann bei einer anderen Kooperative, als im Reisenführer steht (wundert mich langsam nicht mehr) ein Ticket für morgen früh nach Piura…endlich Peru.
Das Hostel, der Budjet-Tipp (!) im Reiseführer schaut eher aus, wie eine große überdachte Einfahrt., inklusive Pick-Up und kleinem Restaurant weiter hinten. Die Rezeption ist zu, ein Chico besorgt mir ein Zimmer…erst als er mir dann tatsächlich den Schlüssel in die Hand drückt, glaub ich ihm, dass er wirklich hier dazu gehört. Ich will es noch mal mit Essen versuchen, bestelle mir in dem kleinen Restaurant trockenen Reis. Schmeckt gut und riecht noch genau so, als ich ihn nach einer Stunde wieder rauskotze…was zum Teufel ist los mit mir? Ich hocke in einem dreckigem Bad vor einer Kloschüssel, fühle mich elend…und das habe ich mir nun freiwillig ausgesucht?? Das sollte Urlaub sein, verdammt. Ich dusche mit Vorsicht unter elektrischen Kabeln, danach Tagebuch schreiben und Musik. Mehr geht nicht mehr…
05. April, Domingo: 9 1/2 statt 8 und Sarah…
Wache in der Nacht mehrmals auf, weil draußen Leute reden, super laut oder jemand um 2.45 Uhr am Tor klingelt. Dankeschön. Um halb 6 steh ich auf, die unruhige Verdauung wird noch mal mit Medikamenten ruhig gestellt. Als alles gepackt ist, lege ich mich noch mal 10 Minuten aufs Bett, mein Magen ist gar nicht gut, bei dem Gedanken, heute wieder so lange im Bus zu sitzen, könnte ich direkt wieder zum Klo rennen. Um halb 7 hab ich dann dem Taxifahrer 5 mal erklärt, wo ich hin will…was ist an „Terminal Terrestre“ so schwer zu verstehen, hm? Der Bus kommt erst um 5 vor sieben auf den Parkplatz gerollt, wir fahren zu spät ab, wie immer. Gerade eine Minute unterwegs, steht plötzlich so ein junger Typ mit Chucks auf, stellt sich ganz vorne in den Bus (direkt neben meinen Sitz) und fängt an, eine Predigt zu halten. Über Christus und Satan und alles mögliche. Verstehe nicht alles, will ich auch gar nicht. Das scheint hier grade in Mode zu sein, gestern haben das zwei andere im Bus auch schon gemacht. Sowas von nervig! Und Chucks schreit in voller Lautstärke, was sie Lungen hergeben, damit man ihn ganz hinten im Bus wohl auch noch hört. Ich muss mir die Ohren zu halten und hoffe, dass er bald möglichst damit aufhört. Plötzlich platzt dem Typen hinter mir der Kragen. Der hatte mich schon im Terminal angesprochen, ein Ami, wollte wissen, ob ich nach Vilcabamba fahre…er war irgendwie seltsam, ohne dass ich das näher beschreiben kann. Jedenfalls schreit er jetzt Chucks an: „NO MORE! SHUT UP!“, ich zucke zusammen. Chucks schreit weiter seine Ansichten über Satan durch den Bus. Typ Seltsam springt von seinem Sitz auf, kämpft sich mit Wucht an seinem Sitznachbarn vorbei. Ich kriege Schiss, befürchte, der schlägt gleich zu. Statt dessen greift sich Seltsam seinen Rucksack und seine Laptoptasche (schreib dir doch gleich „Raubt mich bitte aus!“ aufs T-Shirt!) und macht fast die Tür kaputt, als er aus dem Bus stürmt (der hatte gerade gehalten, um noch andere Leute einsteigen zu lassen). Chucks lässt sich währenddessen nicht beirren, sein Glaube, dass Gott ihn beschützt, muss ja riesig sein. Eine der Nonnen, die im Bus mitfahren (wie passend! In jeder guten Geschichte gibt es Nonnen ;)), geht dann raus und versucht, Seltsam zu beruhigen. Der blökt nur aufgebracht rum „He’s screaming in my ear, all the time!“. Der Busfahrer will Chucks dann rausschmeißen, der gibt dann aber Ruhe und verzieht sich nach hinten. Tja…die Wege des Herrn sind unergründlich, aber ohne Bus doch ein bißl zu weit, was Chucks? ;)
Die tolle Landschaft entschädigt nicht im geringsten die zu lange Fahrt, ich versuche, zu schlafen, die Übelkeit hält sich in Grenzen, ich traue mich aber auch nicht mal, Wasser zu trinken. Erst um halb 1 halten wir in Macara (die letzte Stadt vor der Grenze), da eine halebe Stunde Pause, dann gehts an die Grenze. Ich komme mit einer Amerikanerin ins Gespräch, als wir uns gegenseitig bei den Grenzformalitäten helfen. Sie heißt Sarah, reist schon ne Weile alleine, macht einen sehr sympathischen Eindruck. Ich frage, ob sie ein gutes Hostel in Piura weiß, sie leiht mir ihren Peru-Reiseführer, meint später, wir könnten ja zusammen in ein Hostel gehen. Sie will morgen auch weiter nach Trujillo, das ist ja super (übrigens stand über das einzige Budjet-Hostel, das mein Reiseführer empfohlen hat, in Sarahs: „ok, but a little bit dirty!“…na danke!). Nachdem der Polizeibeamte meinte, ich hätte ja so schöne Augen, mir zuzwinkert, als ich meine, ich bin nicht verheiratet und dann noch anerkennend pfeift, als ich meine, ich bin/werde Lehrerin, gehts auf peruanischer Seite weiter. Die Zeit will nicht rumgehen, der Bus einfach nicht ankommen. Nach 9 1/2 Stunden (im Reiseführer standen 8) rollen wir endlich, endlich in Piura ein, mit Sarah gehts dann in ein Hostel, recht hübsch, Bano Privado, sauber (!), 35 Soles (etwa 10 Euro) geht grad noch. Lege mich kurz aufs Bett zum durchatmen, um halb 6 gehts dann mit Sarah und ihrem Stadtplan (ich wäre echt verloren ohne sie) ins Zentrum, wir finden eine Bank in einem Elektrogeschäft, tauschen Dollar gegen Soles…schon ein lustiges Gefühl, diese Scheine wieder in der Hand zu haben. Nach drei Jahren. Mit einer Motorrad-Rikscha gehts zu Linea, einem recht guten Busunternehmen in Peru. Kriegen unsere Tickets für morgen 6 Uhr, erst 3 Stunden bis Chiclayo, da umsteigen und noch mal 3 Stunden bis Trujillo. Uff.
Wir sind froh, dass das geklappt hat, auf dem Weg in die Stadt erzähle ich vom amaZOOnico, Sarah ist begeistert, will die Adresse haben…hiii, ich mach schon Werbung. Sie meint, mein Englisch wäre so toll, und sie wäre so froh, jemanden dabei zu haben. Alleine reisen wäre einfach wahnsinnig anstrengend. Da kann ich nur zustimmen. Man hat gleich ein ganz anderes Gefühl, wenn man jemanden bei sich hat. Wieder im Hostel dann bezahlen, duschen, Sachen ordnen, halber Trink-Joghurt (war noch in einem Supermarkt und hab mir nen Gloria-Joghurt gekauft, die Marke, die Christina und ich damals immer ohne Probleme vertragen haben), Mineralwasser, Tagebuch. Dann kommt Sarah aus der Stadt, klopft bei mir an, erzählt, sie wäre gerade an einem Kino vorbeigekommen, da würde ein Film gezeigt, an dem sie mitgearbeitet hat! Wie cool!Bei mir geht heute nicht mehr viel. Mein magen grummelt, aber nicht mehr so arg schlimm…schon wieder nichts gegessen heute…euh…