Siempre feliz…

09. April, Jueves:

Nach 4 Stunden Schlaf stehe ich um halb 6 auf, mach mich fertig und packe die letzten Sachen ein. Danach gehts rüber in den Wintergarten, noch ein wenig in der Zeitung blättern und ein bißl was übersetzen, bis um 6.45 Uhr der Padre auftaucht. Meint in seiner väterlichen Art, ich solle mir noch „bißchen Pan oder was“ für die Fahrt einpacken, wie nett. Danach verschwindet er zum Morgengebet in der kleinen Kapelle gegenüber. Ich sitze mit meinem Rucksack als Sitznachbarn auf einer der Bänke im Innenhof der Parroquia, lasse mich vom Stadtverkehrs-Lärm einlullen und warte auf Nilza, die kommt 10 Minuten zu spät, macht aber nichts, will mich eh noch richtig vom Padre verabschieden und die sind erst um 20 nach 7 mit Beten fertig. Irgendwie fällt es ihm schon ein bißchen schwer, mich wieder gehen zu lassen. Un visita muy rapido! :D Bevor wir ins Taxi steigen drückt mich noch mal Nilzas Oma, will auch gleich wissen, wann ich wieder komme, wie süß! Kann ich nicht beantworten, das steht in den südamerikanischen Fernweh-Sternen. Gestern habe ich Nilza aber versprochen, dass ich auf jeden Fall bei ihrer Hochzeit mit Ismael dabei sein werde.

Bei Linea haben wir noch eine Stunde Zeit, bis mein Bus fährt, habe ein Boleto für den autobus directo bekommen um halb 9. Auf den Wartebänken reden Nilza und ich noch viel, ich zeige ihr die paar Fotos von meinem Eltern und den drei Möckings, die ich die ganze Reise über dabei hatte. Nilza will auch viel über München wissen, wie es da ist, wie weit Christina und ich voneinander weg wohnen und seufzt tief, als sie meint, vielleicht kann sie eines Tages auch mal hin fliegen.

Kurz vor Abfahrt hören die Umarmungen dann nicht auf, Nilza hat Tränen in den Augen und bedankt sich immer wieder für meinen Besuch. Sie weiß ja, was für ein Aufwand damit verbunden ist. So schnell mal rüber auf nen anderen Kontinent ist halt nicht. Ich sage ihr, dass sie immer glücklich sein soll und sie weiß ja jetzt, dass ich jeden Tag einfach vorbeikommen könnte, daher kann sie sich immer freuen ;). Im Bus winken und lachen wir uns noch mal zu und an, als sie dann aus meinem Blickfeld verschwindet, muss ich dann doch noch ein paar Tränchen verdrücken. Dass eine Freundschaft eine so große Distanz so problemlos überdauern kann…echt schön sowas!

Die Fahrt nach Lima ist ganz ok, habe 2 Sitze für mich, die Filme, die gezeigt werden, sind zur Abwechslung mal nicht total blöd und ohne Rumballerei alle 3 Minuten. Gegen Mittag machen wir ne Pause, ich trinke ne halbe Cola, schenke den Rest einem kleinen Mädchen, dass an einem kleinen Straßenstand in der Sonne gebrannte Mandeln verkauft. Essen lass ich mal lieber sein, nichts riskieren. Höre viel Musik, lass die Zeit und die Landschaft an mir vorbeiziehen. Berge, Wüste, Dünen, so feiner Sand, dass es in meinem Fingerspitzen kitzelt, weil ich so gerne mal da reingegriffen hätte. Nach 8 Stunden kommen wir endlich zu dem Streckenabschnitt, auf den ich so sehnsüchtig gewartet habe, wegen dem ich extra und unbedingt am Tag, sprich bei Helligkeit, diese Fahrt machen wollte. Zum ersten Mal blinkt rechts von mir das Blau des Pazifiks, kurz darauf schlagen die Wellen unten an die Steilküste…hach…jetzt aussteigen können. Der Blick aufs Meer hat einfach was unglaublich Beruhigendes für mich. Ich weiß noch, wie Christina und ich damals diese Strecke in umgekehrter Richtung gefahren sind. Christinas leises Atmen, während sie schlief, hörte ich kaum noch, weil ich gebannt an der Fensterscheibe klebte und total geplättet rausstarrte. In einem späteren Seminar an der Uni zum „Kreativen Schreiben“ habe ich dann genau diesen Moment festgehalten:

Faszinierende Landschaft durch Fensterglas.

So fremd und doch willkommen.

Sand fließt wie Wasser die Dünen hinab.

Faszinierende Landschaft durch Fensterglas.

Steil unter mir rollen glitzernd

die Wellen des Pazifiks an die Steilküste.

Zwei Welten. Und ich mitten drin.

Faszinierende Landschaft durch Fensterglas,

So fremd und doch willkommen.

Das dazu gehörige Foto werde ich hier noch hochladen, das muss man gesehen haben. Die Straße durchschneidet eine überdimensional hohe Düne, das obere Ende passt nicht ins Fenster, die Augen wandern steil hinauf, bis sie den abendlich rosa eingefärbten Himmel erreichen. Der Blick nach rechts dagegen erfordert eine schwindelfreie Haltung. Direkt neben dem Asphalt der Straße geht es steil abwärts, der Sand rennt über die Straße und stürzt sich nach unten in die Fluten, die heute teils aufgepeitscht, teils ruhig und gemütlich im Sand untergehen. Das Phänomen „Küstenwüste“, wie mein Erdkunde-LK-Lehrer uns damals erklärt hat. Dazu dann eine rot-gelbe Abendsonne, die einen riesigen goldenen Teller auf dem Wasser tänzeln lässt, die Wellen mit Glitzer bestäubt. Ein wahnsinnig tolles Bild. Kitsch hin oder her! :D

Mit 1 1/2-stündiger Verspätung rollen wir erst gegen 18 Uhr in Lima ein, es wird schon dunkel, die Autos fahren mit Licht. Für 12 Soles bringt mich der nächste Taxifahrer zur Pfarrei San Felipe, ich bin erleichtert, als mir Orlando (kenn ich noch von damals) die Tür aufmacht. Endlich da. Im Zimmer 123 hängt immer noch das Bild vom Münchner Marienplatz, das Rathaus und die Türme der Frauenkirche schüren die Lust nach zu Hause! Ruhe mich erst mal ein bißchen aus, schreibe Tagebuch, um halb 8 gehe ich dann runter. Im Comedor (Speiseraum) höre ich ein leises Klappern von Besteck und Teller, treffe Pater Werner Mühl, den ich dann bei Schinkenbrötchen und 2 Tassen Tee mit Geschichten vom amaZOOnico unterhalte. Merke dabei erst richtig, wie sehr mir vor allem meine drei kleinen Wollaffen und Beata fehlen. Hach…

Nach duschen dann noch ein bißchen gemütlich lesen. Morgen gehts nach Hause. Ich freu mich wirklich drauf!

10. April, Freitag: Ein verschnupfter Heimflug…

Ich wache sogar noch vorm Wecker auf, mein Magen tut ein bißchen weg, bleibe noch im bett. Habe Kopfweh, aber kein Fieber. Dafür hat die Klimaanlage gestern im Bus ordentlich reingehauen: Bin total verschnupft, Nase läuft, Auge tränt…na ganz klasse.

Kurz danach steh ich dann doch auf, packe noch mal neu, stopfe unten in das Fach beim Rucksack noch mehr rein, damit oben noch die beiden Tassen von Nilza bruchsicher mit T-Shirts umwickelt Platz finden. Hätte sogar noch Platz, was für ein angenehmes Gefühl, mal nicht unter dem Gewicht zusammen zu sacken ;)

Nach einem leckeren Mittagessen mit Forelle, Reis und Spinat versucht Pater Werner Mühl ein paar Mal, bis zu KLM durch zu kommen, aber am Karfreitag ist das Telefon da wohl nicht besetzt. Entweder man redet mit einem Computer oder es klingelt gleich ins Leere. Dann muss es so gehen.

Um halb 3 schultere ich mein Gepäck und los gehts. Ab Richtung München. Ein Taxi ist schnell von der anderen Straßenseite herangewunken, 20 Soles bis zum Aeropuerto…na ja, aber ich bin ja eigentlich froh, wenn ich meine restlichen Scheine noch loswerd. Einchecken geht ohne Probleme, nur mein Ticket für den Connecting Flight nach München kann man mir hier in Lima noch nicht ausdrucken, der Flug wäre noch zu. Na ja, sollte in Amsterdam morgen kein großes Problem sein. Diese Electronic-Tickets sind wirklich praktisch, man legt denen einfach bloß den Pass hin, der Rest weiß der Computer. Bevor es zu der Flughafenmautstelle geht (dieses Mal weiß ich ja, dass ich da noch mal 30$ zahlen darf, damals war das ein kleiner Schock, wir hatten nur noch 40$ für beide und wären fast nicht heimgekommen. Zum Glück konnte ich dann mit meiner EC-Karte an dem kleinen Mini-Geldautomaten noch was abheben. Wozu so ein kleines Stückchen Plastik gut ist!), schau ich mich noch ein bißchen in den Souvenirläden um, verprasse meine restlichen Soles ;)

Am Gate dauerts dann noch ne Weile, Rafik Schami leistet mir Gesellschaft und verkürzt die Wartezeit. Im Flieger sitze ich am Fenster und neben einem netten Mutter-Tochter-Paar aus Holland. Als der Flieger abhebt, lächelt mich Südamerika noch einmal an, ein roter Feuerball über dem Meer taucht Lima in ein goldenes Licht.

Hasta luego, Peru! Siempre feliz…

Kommentare (2) »

TRUJILLO… :)))

06. April 2009, Lunes: Endlich da…

Habe nun mal unterteilt in den Reiseteil (siehe unten) und meine Tage in Trujillo.

Starten wir früh morgens in Piura. Da klingelt schon um halb 5 der Wecker, mal wieder zu früh. Mein Magen ist so lala, ohne Medikamente gestern hätte ich jetzt wohl Durchfall. Um zwanzig nach 5 ordern Sarah und ich ein Taxi, eins der wenigen, die durch unsere noch nächtlich verschlafene Straße fahren. Zum Terminal von Linea ist es nicht weit. In Piura gibt es kein großes Terminal, die meisten Busse fahren direkt bei ihren Cooperativen ab, muss man halt auch erst mal wissen. Die Fahrt bis Chiclayo ist total ok, ich schlafe, wache erst um halb 9, 15 Minuten vor Ankunft auf. Eine Stunde müssen wir dann im Terminal warten, wir trinken noch einen Tee, tut gut, mal wieder irgendwas Warmes. Sarah erzählt noch ein bißchen, sie ist in Vancouver geboren, lebt jetzt in Oregon, bleibt noch bis Mitte Juni in Südamerika…puh, und das allein. Respekt. Um 10 gehts dann in den nächsten Bus, ich kanns echt nicht mehr sehen, bin die Fahrt über aber recht aufgeregt…wann kommen wir endlich nach Trujillo? Die Wüste um uns herum zeigt, dass ich richtig bin, die hohen Sanddünen weisen den Weg, so scheint es. Wir brauchen mal wieder länger als geplant, erst um 20 vor 2 (statt um 13 Uhr) kommen wir an, bisher kam mir nichts bekannt vor. Am Terminal verabschiede ich mich dann von Sarah, sie will ins Centro, ein Hostel suchen. Ich hätte ihr ja anbieten können, mit zum Padre zu kommen, aber diesen Moment, wieder an der Parroquia zu stehen (die Pfarrei, in der wir damals 5 Wochen gewohnt haben), will ich einfach für mich alleine. Nach einer kurzen Taxifahrt ist es dann soweit, „A la izquierda, si?“, fragt der Taxifahrer, ich wende den Kopf und da ist sie. Mit einer schicken neuen halbrunden Überdachung steht sie vor mir, ich mit Tramperrucksack davor, innerlich gerührt. Ich klingele, erkläre der Seniorita ohne nach zu denken auf Spanisch, was ich hier will. Ich werde kurz danach mit Küsschen auf die Wange von der Haushälterin begrüßt, sie bringt mich zum Padre, den ich aus dem Mittagsschläfchen reiße. Richte mich dann erst mal in meinem Zimmer ein, auspacken, Geschenke sortieren (die ich die 2 Monate die ganze Zeit dabei hatte), duschen, bißl ruhen. Um 4 Uhr geh ich dann rüber, schreibe kurz meiner Mutter eine Mail, dann gehts zum Padre ins Wohnzimmer bißl reden.

Abends esse ich dann noch mit den ganzen Aspiranten unter der Laube, wie damals. Der neue Betreuer von den „Aspis“ erzählt viel, fragt mich auch einiges, ich verstehe so ziemlich alles, ist nett. Es gibt Reis (Gott sei Dank, ich denke seit Tagen an Reis), später noch Pan mit Marmelade. Ich hab richtig Hunger und mir ist endlich mal nicht übel, so dass ich nach 4 Tagen wieder mal einigermaßen normal essen kann.

In der Halle zeigen sie heute „Die Passion Christi“, mir zu heftig, gehe gleich ins Zimmer. Fühle mich wohl hier. Noch besser als damals. Bin gespannt auf morgen,wenn ich Nilza überrasche! Nach 3 Jahren! Und sie hat nicht die geringste Ahnung :D

Ach ja, noch kurz die Rechnung:

2 Stunden amaZOOnico – Tena, 3 1/2 Stunden Tena – Baños, 2 Stunden Baños – Riobamba, 6 1/2 Stunden Riobamba – Cuenca, 6 1/2 Stunden Cuenca – Loja, 9 1/2 Stunden Loja – Piura, 7 1/2 Stunden Piura – Chiclayo – Trujillo macht insgesamt: 37 1/2 Stunden Busfahren in einer Woche! Wenn ich die 9 1/2 bis nach Lima noch dazu zähle, bin ich bei 47 Stunden…damals sind Christina und ich knapp 60 Stunden gefahren…in 4 Wochen! Gott sei Dank ist das vorbei!

07. April, Dienstag: NILZA, mi amiga!

Nach einem gemütlichen Revival-Frühstück mit dem Padre und einem eher ruhigen Vormittag (habe durch meinen Spion in Form von der Oma von Nilza ;) erfahren, dass Nilza bis am Nachmittag noch an der Uni ist), packe ich um halb 3 meine Sachen zusammen (Kamera zum Fotos zeigen, Geschenke usw.) und mache mich auf den Weg. Am Wassermelonenstand entlang, durch die „Handwerkergasse“ (wie Christina und ich sie genannt haben), links um die Ecke, kurz danach den kleinen Weg zwischen den Häusern rein…finde erst diese Treppe nicht mehr, die zu Nilzas Wohnung hochgeführt hat…so irren kann ich mich doch nicht. Ich habe selbst als Frau eine recht gute Orientierung, selbst nach drei Jahren sollte die noch funktionieren. Ich frage am Kiosk gegenüber nach Nilza…jaja, da war ich schon richtig. Eine kleine Chica zeigt mir dann das große rosa Tor, das vor der Treppe und geschlossen ist…aha! Ich klopfe an…erst zaghaft, dann ziemlich entschlossen, proportional zum Herzschlag. Bin echt nervös und gespannt. Oben an der kleinen Holztür, die man einen Spalt sieht, tut sich nichts. Ich klopfe und rufe nach Nilza…immer noch nichts. In dem Tor ist ein kleines Fenster, ich kann durchgreifen und von innen die Tür aufmachen. Ich gehe Richtung Haus, ein paar Schritte nur, dann geht oben plötzlich die Tür auf, eine Frau kommt raus, dunkle Haare, mehr seh ich nicht…“Hola?“…jetzt seh ich das Gesicht: Es ist Nilzas Schwester, ich kenn sie noch von damals. Ich frage, ob Nilza da ist…Ja, sie ist da, ich kann reingehen. Auf der Treppe kommt mir dann Laleska entgegen, eins der drei kleinen Mädchen, die damals oft am Nachmittag zum Spielen vorbei gekommen sind. Sie schaut mich an, total irritiert und rennt dann wieder zurück in die Wohnung. Als ich dann zwei Schritte ins Wohnzimmer gemacht habe kommt von links Emma, die Mama von Nilza, angeschossen, sie umarmt mich stürmisch, hat Tränen in den Augen, lächelt aber ohne Ende. Gerade haben wir uns voneinander gelöst, kommt Nilza angeflitzt, nur im Schlaf-T-Shirt, sie schreit „MIRIIIAAAAM!“, jubelt, lässt mich gefühlte 5 Minuten nicht mehr los, sagt immer wieder was auf Spanisch, was ich nicht verstehe, ist in der Situation aber auch nicht wichtig. Hach, es tut so gut zu reden, ich erzähle von Ecuador, zeige Fotos, auch die, die Christina und ich noch vor meiner Abreise in München gemacht haben aufm Marienplatz :). Die Schwester erinnert sich jetzt auch, lächelt mich an und hält dabei ihr zweites Baby im Arm. Das von damals hüpft schon in der Wohnung rum und freut sich riesig über ein paar Schreibblöckchen, die ich ihr schenke, Laleska ist den ganzen Nachmittag mit ihrem Schmuckkästchen und den Armreifen beschäftigt, Nilza probiert ihren dünnen, bunten Schal gleich an und Emma trapiert die neuen Servietten gleich auf dem Tisch :)

Besuch in San José

Nilza muss dann leider bald zur Arbeit, will aber heute Abend noch vorbei kommen. Emma macht sich dann hübsch ;) und wir gehen zusammen zum Hogar, das Kinderheim, in dem Christina und ich damals gearbeitet haben. Ich habe eine ganze Mülltüte voll Geschenke mitgebracht, die Jungs haben da ja nichts. Leider kenne ich keinen der Jungs mehr, keine Ahnung, wo die sind. Die waren damals 6 oder 7 Jahre, maximal 12, die müssten eigentlich noch hier sein. Vielleicht nur heute nicht. Kann ich nicht rauskriegen. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Direktor können wir raus zu den Jungs, ich bin schnell die Attraktion im Heim. Ich und dieser schwarze Sack mit dem ganzen Spielzeug drin :D Emma hilft beim Verteilen, die Kinder freuen sich über jede Kleinigkeit. Stifte, Malbücher, Luftschlangen, kleine Puzzles, Spiele, Fingerpuppen, Kreide, ein Ping-Pong-Spiel, Ballons…alles findet schnell Abnehmer. Dann klopft mir von links wer auf die Schulter: Ich glaubs nicht! Ischa! Ischa heißt eigentlich Richard (gesprochen: Riiiitschaaad), ist geschätzte 40, 45 Jahre alt, geistig behindert. Als ich ihn damals kennen gelernt und nach seinem Namen gefragt habe, meinte er nur: „Ischa…“ also nannte ich ihn so. Dass er Richard heißt, hab ich erst ganz am Ende meines Praktikums erfahren :D Er wirkt aufgeweckter, wie er so vor mir steht, erzählt viel, er wäre jetzt 10 Jahre und auf einem Collegio (also Schule, keine Ahnung, ob das stimmt), würde aber immer noch „nada“ machen (also nichts). Er scheint mir zufrieden, das freut mich total. Muss gleich ein Foto mit ihm machen. Der Nachmittag ist schön, mache noch viele Bilder, die Chefin begrüßt mich auch noch, eine Betreuerin von damals ist noch da, sie erinnert sich noch an mich und meint, ich könne jeder Zeit wieder kommen. Irgendwie schön zu wissen :)

Der Abend mit Nilza wird dann noch mal richtig schön, wir gehen erst zu ihrem Freund, dann zu ihrem Bruder kurz „Hola“ sagen, danach laufen wir ins Centro (wenn man jemanden Einheimischen dabei hat, ist das nicht das geringste Problem). Wir essen in einem ziemlich schicken Restaurant, ganz neu in Trujillo, es gibt zwei super leckere Limonaden-Cocktails und eine überbelegte Pizza für uns beide. Wir reden viel, haben ja auch einiges nachzuholen. Die Kommunikation klappt wirklich fast reibungslos, mir fallen Wörter ein, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie kenne. Nilza meint auch, mein Spanisch ist so viel besser geworden. Laleska lernt jetzt auch deutsch in der Schule, bin mal gespannt. Nilza will alles wissen, ist schon lustig, wenn sie nach Dingen und Personen in meinem Leben von vor drei Jahren fragt :D. Außerdem will sie noch mal wissen, was es mit dem Pan in Corazon-Form auf sich hat (ich hatte ihr ein Bild von den Lebkuchenherzen aufm Oktoberfest geschickt :D). Erst um halb 12 nehmen wir ein Taxi nach Hause, ein wirklich, wirklich schöner Abend!

08. April, Miercoles: Letzter Tag in Trujillo… :(

Zum Mittagessen bin ich heute bei Emma und Laleska eingeladen, es gibt kalte Kartoffeln mit so ner Senf-Chili-Soße, danach Spagetti mit Hühnchen. Ist ganz lecker und ich bete leise, dass mein Magen durchhält, ganz in Ordnung ist der nämlich noch lange nicht. Danach muss Emma los, ich nehme Laleska noch mit zur Parroquia, damit sie nicht alleine ist, sie schreibt Karten für Christina und auch für mich, ich packe meinen ganzen Kram ein…ist richtig Platz im Rucksack, jetzt, wo die ganzen Geschenke weg sind… um viertel nach 2 kommt Nilza kurz vorbei und holt Laleska dann ab, am Abend steht sie dann wieder mit Ismael, ihrem Freund vor dem Tor der Parroquia. Ist wie damals, wenn sie „Miriaamm…“ ruft…nur, dass ein „Chriiistiii“ fehlt (wie sie Christina immer genannt hat).  Wir fahren mit einem Taxi raus aus der Stadt, ich bin gespannt, wos hingeht. Dann steigen wir an einer riesigen Schoppingmeile aus, alles total neu, total modern, sieht aus wie in München ;) Ich staune, in den Geschäften kommt man sich wirklich wie daheim vor. Auch von den Preisen her :/ Wir stöbern ein bißchen rum, hier gibts wirklich nette Sachen zum Gucken. Sogar in Baumärkte, Supermärkte, Spielzeugläden gehen wir, man merkt, dass Nilza und Ismael richtig stolz sind, dass Trujillo solche Läden jetzt hat. Sogar einen Billabong-Store sehe ich, ist ja lustig. Kurz vor Ladenschluss (um 22 Uhr!) kauft Nilza dann noch zwei bunt geblümte Tassen, eine für mich und eine für Christina: „Damit ihr jeden Morgen beim Trinken an mich denkt!“ Gott…süße Idee! Ich freue mich sehr darüber und spule im Kopf schon ab, wo ich die im Rucksack am besten unterbringe, damit die heil in Deutschland ankommen. Danach machen wir noch jede Menge Fotos, haben einen heiden Spaß dabei. Nilza „post“ immer so niedlich, Brust raus, Po raus, Bauch rein…zum Schießen ;) Danach gehts dann noch mal in das Restaurant von gestern, bestellen so viel Essen, dass der ganze Tisch voll Pollo, Papas und Ensalada ist. Über die Hälfte lass ich mir dann für Nilza einpacken, das reicht locker für morgen. Erst um 1 Uhr nachts verabschiede ich mich vor der Parroquia, Nilza will morgen früh noch mit mir zum Terminal kommen. Ich gehe lächelnd in mein Zimmer. Auch, wenns nur 2 Tage hier in Trujillo waren, die waren wirklich super schön und intensiv. Viele neue tolle Momente und Erinnerungen…

Schreibe einen Kommentar

Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schööön…*würg*

Guten Morgen liebe Leser,

eigentlich hatte ich ja versprochen, mich noch aus Trujillo bei euch zu melden. Tja, aber wie das in Südamerika so ist, es klappt nie so, wie man sich das gedacht hat.

Mittlerweile bin ich schon wieder über eine Woche in Deutschland, bin in München gelandet, war mit einem Freund in Bielefeld und schreibe euch heute aus dem schönen Saarland, das doch immer wieder dieses „Heimat“-Gefühl auslöst. So richtig gewöhnt an all das hier habe ich mich noch nicht. Aber gefreut darauf, das habe ich mich schon. Die Tage nach dem amaZOOnico haben mir den Abschied von Südamerika nicht all zu schwer gemacht. Es war anstrengend. Aber es gab auch sehr, sehr schöne Momente…was red ich? Lest doch selbst ;)

31. März, Martes: Ein kleines musikalisches Mädchen als Wecker…

Miriam und ich werden etwas zu früh geweckt von einem kleinen Mädchen, das auf so einem elektrischen Kinder-Klavier rumklimpert, direkt vor unserem Fenster. Da haben die Eltern ja echt mitgedacht, es ist noch vor 8! :D Irgendein anderer Backpacker erbarmt sich nach ner Weile und sagt ihm genervt, dass es damit doch bitte aufhören soll…ich fand das ja irgendwie lustig :D

Der letzte ruhige Tag in Tena (an dem ich euch noch geschrieben hatte) verläuft recht gemütlich, Raphaela und Dan kommen noch zum Frühstück vorbei (Raphaela fährt heute noch nach Quito weiter, Dan muss zum Arzt wegen der Bisswunde vom lieben Cedru), später treffe ich Nicole im Welcome Break (das Hostel,wo eigentlich alle Volontäre hingehen), sie hat ihren Day Off, zum Abendessen kommt noch Jo vorbei (sie ist aus Kanada, hat hier in Tena ihren Freund kennen gelernt und ist nun nach dem amaZOOnico schon ne ganze Weile hier). Nach ner leckeren Pizza im „Vagabundo“ (eine deutsche Pizzeria, die an das Hostel angeschlossen ist, super lecker!) gehts dann ins Bett. So richtig Lust aufs Busfahren morgen habe ich immer noch nicht, freue mich aber auf Nilzas Gesicht, wenn ich in ein paar Tagen bei ihr vor der Haustür stehe.

01. April, Mittwoch: Ab ins Badezimmer…Baños, ich komme!

Um viertel nach 7 steh ich auf, mach mich fertig und schlendere zum Terminal hoch, um zu sehen, welchen Bus ich nehmen kann nach Baños. Kriege ein Boleto für 10 Uhr, perfekt, so wollte ich das grade haben (kaum zu fassen). Die auf dem Rückweg in einer Panaderia gekauften Brötchen werden dann noch in Ruhe in der Hängematte gefrühstückt, danach bezahlen, letzte Sachen einpacken, um halb 10 schultere ich dann meinen zu schweren Rucksack, verabschiede mich von Miriam, sie fährt heute noch nach Quito und von da nach Otavalo (da soll ein genialer Markt sein mit allen Souvenirs, die man sich vorstellen kann).

Wir nehmen erst den gleichen Weg raus aus Tena Richtung amaZOOnico, dann aber biegen wir nicht links ab, sondern fahren grade aus weiter… :( *Seufz* Der Fahrer gibt nach einer Weile ordentlich Gas, heizt richtig um die Kurven, brettert an winkenden Leuten vorbei (die eigentlich mitfahren wollen), mir wird n bißl übel und ich krieg Kopfweh, mach die Augen zu, versuche, zu schlafen. Als ich wieder aufwache und rausschaue, ist die Landschaft draußen einfach perfekt, komme mit dem Fotografieren kaum hinterher: Regenwald, bis zum Horizont, wir fahren teilweise sehr hoch oben, so dass man einen tollen Blick hat. Super schön. Um viertel nach eins meint der Fahrer, wir wären da. Schon? Sollte doch etwa 4 Stunden dauern…hui. Ich kann mich recht schnell orientieren, der Ort ist recht klein, aber super gemütlich, touristisch hübsch ;) Christian aus München begrüßt mich in seinem Hostel, mein Zimmer ist so niedlich, wie ein eigenes kleines Häuschen, Holzboden, ein eigener großer Balkon, eine tolle Aussicht auf die umliegenden hohen grünen Berge. Ich nutze die Zeit und schaue mich in der Innenstadt um, in einem der vielen Souvenirläden finde ich sie. Die perfekte Hängematte…so ein hübsches Muster, und ich kriege sie für 12$, fast geschenkt. Jetzt brauch ich nur noch ne Wohnung, bei der ich nicht den Putz runterreiße, wenn ich nen Nagel in die Wand schlagen will :D (Aber der Umzug kommt ja bald). Ohne Abendessen gehts an dem Tag ins Bett, hab irgendwie keinen richtigen Hunger…

02. April, Donnerstag: Schweizer Steak…

An der Schule schräg gegenüber vom Hostel ist heute morgen die Hölle los. Sprechchöre und Megaphon-Durchsagen, lautes Gegröhle…geht lernen ey! Um halb 9 frühstücke ich dann unten im Garten des Hostels. Ist ok für ein Breakfast included, allerdings wird die Stimmung getrübt, als ich sehe, dass die sich einen roten Ara als Haustier halten. Er sitzt frei auf einer Stange…wahrscheinlich Federn gesstutzt, damit er nicht wegfliegen kann. Dafür kriegen sie einen Kommentar ins Gästebuch und ich schreibe noch eine Email an Joelle vom amaZOOnico, vielleicht können sie was machen.

Da eine Pferdetour alleine satte 40$ kosten würde, lass ich das lieber sein, mache mir einen ruhigen Vormittag, sitze auf dem Balkon in der Sonne. Merke, das ich hier immer wieder lächle. Später gehe ich noch mal in die Stadt, esse im Swiss Bistro (außen kuhgefleckt, schaut witzig aus) ein tolles Steak mit Kartoffelgratin, Bohnen, Rotkraut und Karottengemüse.

Ein klassischer Griff ins Klo…so könnte man dann meine nächste Etappe bezeichnen. Abends gings zum Terminal, ich hatte Folgendes geplant: So gegen 20 uhr mit einem Bus von Baños nach Riobamba, dauert 1 Stunde, dann dort noch kurz warten und um 22.30 Uhr mit dem „luxuriösen Nachtbus von Panamericana“, so der Reiseführer, durchfahren bis nach Loja (von dort aus dann im nächsten Schritt über die Grenze).

Gekommen ist es dann so: Musste bereits um 18 Uhr Richtung Riobamba starten, weil es später keine Busse mehr gab. Dafür brauchte der Bus aber auch galante 2 Stunden für die Strecke. Ich werde irgendwo im Dunkeln an der Straße abgesetzt, muss noch einen Block bis zum Terminal laufen (bißl Anspannung). Im dunklen Terminal haben so gut wie keine Schalter mehr offen, gehe die paar Beleuchteten ab. Nichts nach Loja. Ein Senor zeigt mir dann gaaaanz hinten in der Ecke den Schalter von Panamericana. Ich kann aber nicht aufatmen, die die Senorita hinter der Glasscheibe verneint, als ich nach dem Nachtbus nach Loja frage…gibts nicht. Na geil! Also stehe ich um halb 9 im Dunkeln alleine mit vollem Gepäck in einem fremden Terminal…die Hosen voll…FUCK! Ich hatte den ganzen Tag über so n blödes Gefühl bei der Aktion. In weiser Voraussicht hab ich mir schon ein Hostel in Riobamba rausgesucht, das nächste Taxi ist meins. Als ich auf meinem Bett sitze, bin ich fertig mit der Welt. Zwar erleichtert, aber trotzdem genervt…hab jetzt schon die Schnauze voll vom Alleine-Reisen, macht so keinen Spaß. Nie wieder Nachtfahrten. Jetzt verplempere ich 2 Tage. Muss morgen von Riobamba nur bis nach Cuenca (6,5 Stunden), am Tag drauf dann bis nach Loja (noch mal 6,5 Stunden)…blödes Ecuador, blöder Reiseführer…am Ende kann ich Nilza im Vorbeifahren mal winken, damit ich noch meinen Flug in Lima rechtzeitig krieg…grrrrr…CHUTA!

03. April, Viernes: Fehl am Platz…der Weg zu Gott…

Als ich in Riobamba aufwache, fühl ich mich nicht gut, habe Kopfschmerzen, bin verschnupft…die Dusche hilft erst nach ein paar Minuten, als sie endlich warm wird, so dass ich nicht mehr total durchgefroren bin. Um 9 sitz ich dann im Taxi zum Terminal, Bus um halb 10, noch ein paar Mandarinen für die Fahrt (eigentlich das perfekte Obst für Touristen, da gut zu schälen). Die Fahrt zieht sich, aber die Landschaft ist cool. Große Sumpfgebiete, jede Menge Esel, Leute bei der Feldarbeit, kleine Häuser – bunt von Wahlwerbung, harmonisch verlaufende Hügel, kuschlig mit dichtem Gras bewachsen, ab und an immer wieder kleine Feuer (wahrscheinlich Müll verbrennen oder Feld abfackeln). Die meisten Tiere sind allerdings angebunden, was traurig macht. Sehe einmal eine Kuh, die eine ganze Horde kleiner schwarzer Schweine säugt…?!? Viele Leute in tradioneller Tracht, auch die Frau, die eine zeitlang neben mir sitzt. Die spanische Heidi-Musik, die im Bus gespielt wird, passt zu dem, was ich draußen sehe. In einem kleinen Dorf gibt es ein Geschäft, dass sich „American Clothes“ nennt :D

Nach 6 Stunden steigen relativ viele Leute aus, ich frage den Senior neben mir, ob wir schon in Cuenca sind. No, meint er, ein Ort davor. Ah ok. Wir kommen ins Gespräch, das Übliche. Woher man kommt, wohin man will, wie lange man unterwegs ist. Er meint, mein Spanisch wäre schon echt gut. Als er dann fragt, ob ich alleine reise und in welches Hotel ich in Cuenca will, werd ich stutzig, ziehe meine Notfall-Karte und sage: Jetzt wär ich schon allein, aber in Cuenca warten Freunde auf mich, bei denen ich dann wohnen kann. Situation entschärft. Wäre aber nicht nötig gewesen, wie sich später rausstellt, beim Aussteigen in Cuenca nimmt der Mann liebevoll seine Frau, die weiter hinten im Bus gesessen hat, in den Arm, winkt mir noch einmal zu und geht dann mit ihr die Straße runter. Am Terminal schaue ich noch nach Bussen für Loja morgen, fahren recht regelmäßig, danach gehts in ein viel zu teures Hotel, laut Reiseführer 9-12$, in Wirklichkeit 22$! Das nenn ich Recherche, Mann, Daumen hoch! Grrr… Ich hab so keine Lust mehr, mir was anderes zu suchen, so dass ich zustimme, für eine Nacht…was solls. Das Zimmer ist ziemlich eng, aber n groooßes Bett. Gehe gleich wieder los, muss noch Traveller-Cheques wechseln, was nach einer Bank und einem Office dann im dritten Anlauf in einer Wechselstube auch klappt. Wenigstens das. Schaue mich noch ein wenig um, mir sind zu viele Menschen hier, bin angespannt. Finde noch ein Internetcafé, meine Mum kriegt noch eine Email von mir, damit die Sorgen um die Tochter etwas gedämpft werden. Ich bin müde, erschöpft, habe keinen Appetit. Habe heute nur eine kleine Tüte Chips gegessen. Auf dem Weg zum Hotel spricht mich eine Frau mit einem Mädchen auf englisch an, wollen mit mir über Gott reden…Wow…das die Zeugen Jehovas sogar Touris werben :D Ich bleibe nett und werfe die „Erwachet“-Heftchen danach in den nächsten Mülleimer. Nach Duschen und im Bett rumliegen kommt dann das „Aufs Klo rennen“…keine Ahnung, von was es kommt, vielleicht von den drei Mandarinen, die ich mir vorher noch aufgezwungen habe…jedenfalls macht mein Magen-Darm-Trakt nicht mehr mit. Durchfall, dann Kopfschmerzen, 37,7°…erhöhte Temperatur…na ganz klasse. Und morgen wieder Bus fahren…euh…

04. April, Sabado: No Comida para mi…

Beim Aufwachen fühl ich mich gar nicht gut. Mir ist schwindlig, als ich zum Klo renne. Nehme Medikamente gegen den Durchfall, hilft ja nichts. Im Bus sollte mir das nun wirklich nicht passieren. Mein Magen rumort, als ich im Taxi sitze, mir wird immer wieder leicht übel. Kriege, weil ich noch länger geschlafen habe, den Bus um 11.30 Uhr, wir fahren etwas zu spät weg, brauchen ewig, bis wir aus Cuenca rauskommen. Der Bus fährt so langsam, dass ich mit den Augen rolle und locker neben her joggen könnte. Mache noch ein paar verwackelte Fotos von der Stadt. Mehr bleibt mir nicht. Das…und Übelkeit. Die Zeit geht anfangs recht schnell rum, aber ab 3 Uhr sind auf der Straße immer wieder kilometerlange Baustellen, alles nur einspurig, wir stehen gefühlte 30 Minuten, bis wir weiter können. Immer wieder müssen wir warten, kaum mal 15 Minuten am Stück, wo wir durchfahren können. Dazu dann eine Sitznachbarin, die, so halb am Schlafen, immer wieder zu mir rüberkippt…juhu! Einmal werfe ich den vielen Straßenhunden ein bißchen Zwieback raus, was anderes hab ich nicht mehr. Ich knabbere selbst 1,5 davon. Das erste für heute…und es ist schon 16 Uhr. Die Musik im Bus geht mir langsam auf den Keks, neue Batterien für den mp3-Player sind aber im großen Rucksack…mist! Um halb 5 (eigentlich Ankunftszeit) kommt dann eine Stadt in Sicht, die sich zwischen Hügel und Berge quetscht. Sie strahlt vom Sonnenlicht, drum herum dunkle Wolken und Regen. Es hatte die Fahrt über immer wieder ein bißchen genieselt, war neblig und kühl (man merkt, dass ich in den Anden bin). Als wir dann endlich um 6 in Loja ankommen, hängt ein riesiger Regenbogen am schwarz-grauen Himmel. Am Terminal kriege ich dann bei einer anderen Kooperative, als im Reisenführer steht (wundert mich langsam nicht mehr) ein Ticket für morgen früh nach Piura…endlich Peru.

Das Hostel, der Budjet-Tipp (!) im Reiseführer schaut eher aus, wie eine große überdachte Einfahrt., inklusive Pick-Up und kleinem Restaurant weiter hinten. Die Rezeption ist zu, ein Chico besorgt mir ein Zimmer…erst als er mir dann tatsächlich den Schlüssel in die Hand drückt, glaub ich ihm, dass er wirklich hier dazu gehört. Ich will es noch mal mit Essen versuchen, bestelle mir in dem kleinen Restaurant trockenen Reis. Schmeckt gut und riecht noch genau so, als ich ihn nach einer Stunde wieder rauskotze…was zum Teufel ist los mit mir? Ich hocke in einem dreckigem Bad vor einer Kloschüssel, fühle mich elend…und das habe ich mir nun freiwillig ausgesucht?? Das sollte Urlaub sein, verdammt. Ich dusche mit Vorsicht unter elektrischen Kabeln, danach Tagebuch schreiben und Musik. Mehr geht nicht mehr…

05. April, Domingo: 9 1/2 statt 8 und Sarah…

Wache in der Nacht mehrmals auf, weil draußen Leute reden, super laut oder jemand um 2.45 Uhr am Tor klingelt. Dankeschön. Um halb 6 steh ich auf, die unruhige Verdauung wird noch mal mit Medikamenten ruhig gestellt. Als alles gepackt ist, lege ich mich noch mal 10 Minuten aufs Bett, mein Magen ist gar nicht gut, bei dem Gedanken, heute wieder so lange im Bus zu sitzen, könnte ich direkt wieder zum Klo rennen. Um halb 7 hab ich dann dem Taxifahrer 5 mal erklärt, wo ich hin will…was ist an „Terminal Terrestre“ so schwer zu verstehen, hm? Der Bus kommt erst um 5 vor sieben auf den Parkplatz gerollt, wir fahren zu spät ab, wie immer. Gerade eine Minute unterwegs, steht plötzlich so ein junger Typ mit Chucks auf, stellt sich ganz vorne in den Bus (direkt neben meinen Sitz) und fängt an, eine Predigt zu halten. Über Christus und Satan und alles mögliche. Verstehe nicht alles, will ich auch gar nicht. Das scheint hier grade in Mode zu sein, gestern haben das zwei andere im Bus auch schon gemacht. Sowas von nervig! Und Chucks schreit in voller Lautstärke, was sie Lungen hergeben, damit man ihn ganz hinten im Bus wohl auch noch hört. Ich muss mir die Ohren zu halten und hoffe, dass er bald möglichst damit aufhört. Plötzlich platzt dem Typen hinter mir der Kragen. Der hatte mich schon im Terminal angesprochen, ein Ami, wollte wissen, ob ich nach Vilcabamba fahre…er war irgendwie seltsam, ohne dass ich das näher beschreiben kann. Jedenfalls schreit er jetzt Chucks an: „NO MORE! SHUT UP!“, ich zucke zusammen. Chucks schreit weiter seine Ansichten über Satan durch den Bus. Typ Seltsam springt von seinem Sitz auf, kämpft sich mit Wucht an seinem Sitznachbarn vorbei. Ich kriege Schiss, befürchte, der schlägt gleich zu. Statt dessen greift sich Seltsam seinen Rucksack und seine Laptoptasche (schreib dir doch gleich „Raubt mich bitte aus!“ aufs T-Shirt!) und macht fast die Tür kaputt, als er aus dem Bus stürmt (der hatte gerade gehalten, um noch andere Leute einsteigen zu lassen). Chucks lässt sich währenddessen nicht beirren, sein Glaube, dass Gott ihn beschützt, muss ja riesig sein. Eine der Nonnen, die im Bus mitfahren (wie passend! In jeder guten Geschichte gibt es Nonnen ;)), geht dann raus und versucht, Seltsam zu beruhigen. Der blökt nur aufgebracht rum „He’s screaming in my ear, all the time!“. Der Busfahrer will Chucks dann rausschmeißen, der gibt dann aber Ruhe und verzieht sich nach hinten. Tja…die Wege des Herrn sind unergründlich, aber ohne Bus doch ein bißl zu weit, was Chucks? ;)

Die tolle Landschaft entschädigt nicht im geringsten die zu lange Fahrt, ich versuche, zu schlafen, die Übelkeit hält sich in Grenzen, ich traue mich aber auch nicht mal, Wasser zu trinken. Erst um halb 1 halten wir in Macara (die letzte Stadt vor der Grenze), da eine halebe Stunde Pause, dann gehts an die Grenze. Ich komme mit einer Amerikanerin ins Gespräch, als wir uns gegenseitig bei den Grenzformalitäten helfen. Sie heißt Sarah, reist schon ne Weile alleine, macht einen sehr sympathischen Eindruck. Ich frage, ob sie ein gutes Hostel in Piura weiß, sie leiht mir ihren Peru-Reiseführer, meint später, wir könnten ja zusammen in ein Hostel gehen. Sie will morgen auch weiter nach Trujillo, das ist ja super (übrigens stand über das einzige Budjet-Hostel, das mein Reiseführer empfohlen hat, in Sarahs: „ok, but a little bit dirty!“…na danke!). Nachdem der Polizeibeamte meinte, ich hätte ja so schöne Augen, mir zuzwinkert, als ich meine, ich bin nicht verheiratet und dann noch anerkennend pfeift, als ich meine, ich bin/werde Lehrerin, gehts auf peruanischer Seite weiter. Die Zeit will nicht rumgehen, der Bus einfach nicht ankommen. Nach 9 1/2 Stunden (im Reiseführer standen 8) rollen wir endlich, endlich in Piura ein, mit Sarah gehts dann in ein Hostel, recht hübsch, Bano Privado, sauber (!), 35 Soles (etwa 10 Euro) geht grad noch. Lege mich kurz aufs Bett zum durchatmen, um halb 6 gehts dann mit Sarah und ihrem Stadtplan (ich wäre echt verloren ohne sie) ins Zentrum, wir finden eine Bank in einem Elektrogeschäft, tauschen Dollar gegen Soles…schon ein lustiges Gefühl, diese Scheine wieder in der Hand zu haben. Nach drei Jahren. Mit einer Motorrad-Rikscha gehts zu Linea, einem recht guten Busunternehmen in Peru. Kriegen unsere Tickets für morgen 6 Uhr, erst 3 Stunden bis Chiclayo, da umsteigen und noch mal 3 Stunden bis Trujillo. Uff.

Wir sind froh, dass das geklappt hat, auf dem Weg in die Stadt erzähle ich vom amaZOOnico, Sarah ist begeistert, will die Adresse haben…hiii, ich mach schon Werbung. Sie meint, mein Englisch wäre so toll, und sie wäre so froh, jemanden dabei zu haben. Alleine reisen wäre einfach wahnsinnig anstrengend. Da kann ich nur zustimmen. Man hat gleich ein ganz anderes Gefühl, wenn man jemanden bei sich hat. Wieder im Hostel dann bezahlen, duschen, Sachen ordnen, halber Trink-Joghurt (war noch in einem Supermarkt und hab mir nen Gloria-Joghurt gekauft, die Marke, die Christina und ich damals immer ohne Probleme vertragen haben), Mineralwasser, Tagebuch. Dann kommt Sarah aus der Stadt, klopft bei mir an, erzählt, sie wäre gerade an einem Kino vorbeigekommen, da würde ein Film gezeigt, an dem sie mitgearbeitet hat! Wie cool!Bei mir geht heute nicht mehr viel. Mein magen grummelt, aber nicht mehr so arg schlimm…schon wieder nichts gegessen heute…euh…

Schreibe einen Kommentar

Kaiman, Wasserfall…die letzte Klappe…

Buenas dias con todos! :)

Nachdem wir letzte Woche in einer spontanen Aktion mit 13 Volontaeren hier in Tena eingefallen sind, bin ich diese Woche nur mit Miriam hergekommen. Dafuer mit vollem Gepaeck. Heute schreibe ich zum ersten Mal als „ehemalige“ Volontaerin meinen Bericht. Ein seltsames Gefuehl steigt schon in einem auf, wenn man den grossen schweren Tramperrucksack auf den Ruecken hievt, einen letzten Blick in das nun leere Zimmer wirft, dem man die letzten zwei Monate ueber einen guten Schuss Gemuetlich- und Wohnlichkeit einhauchen konnte, ein letztes Mal die Treppen zum Rio runtersteigt, ein letztes Mal den Fahrtwind auf dem Kanu spuert, die Hand in das spritzende Wasser vom Rio Arajuno haelt…56 Tage, 8 Wochen, ganze zwei Monate hat mich der amaZOOnico so raus gerissen aus meinem bisherigen Leben, aus dem Stress vom Examen letztes Jahr, von so vielen Ereignissen, die so lange unbearbeitet und schwer in meinem Kopf rumlagen, sich stapelten und be- oder besser ver-arbeitet werden wollten. Das Leben hier im Regenwald ist einfach so dermassen anders, es spielen Dinge eine Rolle, die in Deutschland keinerlei Beachtung bekommen: Wer braucht wann welches Kanu? Wie viele Platanos muessen hoch zur Bodega getragen werden? Keine Horitos mehr fuer die Wollaffen, die kriegen sonst zu viel Zucker…und umgekehrt gibt es Dinge in Deutschland, die dort quasi nicht wegzudenken sind, die man hier einfach nicht braucht, noch nicht mal daran denkt: Fernsehen, Handy, Make-Up, Puenktlichkeit ;)

Letzte Woche hatte unser Bus auf der Fahrt von Tena zurueck zum amaZOOnico „in den Busch“ ;) eine Reifenpanne…bestimmt 30-45 Minuten sassen wir also da, draussen Leute mit klaepperndem Werkzeug, die um den Bus rennen…keiner beschwert sich, keiner regt sich auf…man wartet halt, bis die Schrauben wieder angezogen sind und der Motor wieder aufheult…

Letzten Mittwoch hab ich dann noch mal die Big Tour mit Gisela gemacht. Als wir bei den Pekaries sind (schauen so aehnlich aus wie Wildschweine) will eins von unseren 18 Stueck, die wir haben, nicht aus dem Fuetterungsbereich raus (wir fuettern seperat, die Pekaries haben 5 cm lange Eckzaehne, direkter Koerperkontakt daher eher unerwuenscht ;)). Alles Locken hilft nichts, Gisela geht vorsichtig rein, das Schweinchen kriegt Panik und rennt mit der Schnauze mit voller Wucht gegen den Zaun (da ist jetzt voll die Beule drin :D), danach findet es aber den Ausgang und wir koennen die Yucca und Platanos in die Fressschalen verteilen.

Martina, unsere Kapuzineraeffin musste letzte Woche ne sehr schwere OP ueberstehen. Sie hat einen Bruch im Fussgelenk und die Tieraerzte in Quito sind extra dafuer zu uns gekommen. Mit drei Schrauben wurde in guten 4,5 Stunden eine Art kuenstliches Gelenk konstruiert, klang wahnsinnig kompliziert. Danach wurde Martina komplett bandagiert, auf ein kleines Brett gebunden, damit die sich nicht bewegen konnte (die Gefahr, dass sie sich den Verband abmacht, war zu gross). Ich sah sie danach kurz im Vetroom liegen, schwer am atmen, einen Schlauch im kleinen Hals, eine Hand festgeklemmt, die andere angebunden…schreckliches Bild. Wie eines der vielen Versuchstiere…ich war wirklich geschockt. Einen Tag spaeter hatte sie einen epileptischen Anfall, den sie aber gut ueberstanden hat. Mittlerweile hat sie nur noch einen kleinen Gips, frisst wieder gut und das leichte Roecheln ist wieder ihrem suessen Quieken gewichen. Hoffentlich wird nun alles gut! :)

Bei den Kinkajous (den Wickelbaeren) im Kaefig will ich spaeter dann das zweite Wasserbecken sauber machen. Das ist bei den Kinkajous immer so ne Sache. Sie sind nachtaktive Tiere und wenn man sie tagsueber weckt, koennen sie sehr „launisch“ werden, sprich, sie attackieren einen, kratzen, beissen…Dan, ein Volontaer aus den USA sah wirklich nicht gut aus, als ihm das gleich an seinem ersten Tag passiert ist. Ich schleiche also rein, vorsichtig, einen Schritt nach dem anderen. Beim Wasserbecken wackelt dann eine der Roehren schraeg ueber mir, in denen die Kinkajous schlafen, zwei Sekunden spaeter streckt „La Bitch“ (wie wir sie nennen) ihren hellbraunen Kopf raus und zwei schwarze Knopfaugen starren mich an…Shit! Zum Glueck sind die Augen der Kinkajous nicht gut, sie koennen bei Tageslicht nur Bewegungen wahrnehmen, sprich: Man muss einfach nur absolut still hocken bleiben, dann sehen sie einen quasi nicht. Mein Puls war extrem hoch, die Moskitos nutzten die Gelegenheit, dass ich sie nicht verscheuchen konnte, aber La Bitch verschwand nach einer Minute wieder in ihrem „Bettchen“…uff!

Nach einem anstrengenden Tag (drei unserer Volontaere sind auf einen Schlag gegangen, so dass es die letzte Woche echt kaum ne Pause zwischendurch gab) dann erst mal duschen, danach seh ich das Ausmass vom Papaya-Schleppen heute: Habe am Ruecken nen ueblen Ausschlag, auch die Arme und Haende brennen wahnsinnig. Ich hatte das schon oefter hier, aber nie so schlimm. Wusst ich auch nicht, dass ich auf Papayas so reagiere…mittlerweile ist das wieder besser, aber ich sollte das vielleicht mal aerztlich abklaeren, wenn ich wieder daheim bin.

Abends kommt dann der Satz, den wir alle nicht hoeren wollen: „Es gab wieder eine Attacke in Marcisapa mit Cedru!“ Der Wollaffe, der mittlerweile schon drei von unseren Volontaeren angegriffen und zwei verletzt hat, hat nun Daniel attackiert, ihm auf der Aussenseite die linke Hand komplett durchgebissen. Vor den beiden Maennern, die in der Auswilderungsstation waren, hatte er eigentlich immer Respekt, dieses Mal griff er beim Fuettern nach Daniels Arm, schaute ihn noch mal an und biss dann zu. Bestimmt zehn Stiche hats gebraucht, um die Wunde zu naehen, mittlerweile hat er eine ordentliche Runde Fieber ueberstanden, kaempft jetzt mit Nebenwirkungen von den Antibiotika…kein Spass. Was mit Cedru passiert, weiss ich nicht, so langsam sollten sich die Verantwortlichen da mal was ueberlegen. So viele Volontaere haben wir nicht mehr und langsam wirds fast „uncool“, wenn man keine Bisswunde hat ;D

Pornodreh am Day Off… meinen letzten freien Tag letzte Woche nutzte ich, um den Vormittag ueber durch den Park zu laufen und alle Tiere, die mir noch gefehlt haben in meiner Sammlung, auf Foto zu bannen. Bei den Tortugas „rennen“ gerade zwei an mir vorbei, ein Weibchen fluechtet wohl vor einem recht aufdringlichen Maennchen. Da bleib ich mal dran, Schildkroeten zu verfolgen ist nun wirklich nicht wahnsinnig anstrengend :D Kurz danach gibt das Weibchen dann nach und laesst das Maennchen mal machen, waehrend sie noch gelangweilt ein bisschen Platano isst :D Das kleine Video, dass ich mitgeschnitten hab, ist zum Totlachen… :D

Dann hab ich mal wieder eine kleine Koch- bzw. Backaktion gestartet. Ich habe einen meiner besten Hefeteige („Teige“ „Teigs“…wie ist da der Plural…muss wieder mehr Deutsch reden :D) aller Zeiten gemacht…behaupte ich mal so bescheiden. Dreimal gehen lassen, mit Butter, Zucker, Eier und Rosinen wurden schlussendlich daraus Rosinenbroetchen deluxe, wie ausm Bilderbuch sahen die aus. So fluffig und locker, dass ich das selbst kaum glauben wollte. 41 Stueck passten auf das grosse Blech und bestimmt die Haelfte wurde am selben Abend noch eliminiert… ;)

Familie Ara und nasse Maeuse: Am Freitag hatte ich die Monkey-Tour, die auch Aves I (den ersten Papageienkaefig) miteinschliesst. Die roten Aras haben seit Wochen ein kleines Baby, das Nest ist im Boden, nicht weit von dem einen Futtertisch entfernt. Die Eltern sind allerdings sehr wachsam, so dass man nicht zu nah herangehen kann. Trotzdem wagte ich einen Blick und hab das kleine tatsaechlich kurz gesehen. Im Gesicht schaut es schon wie ein normaler Ara aus, aber hinten ist noch vol viel grau-blauer Flaum, total niedlich (als ich zwei Tage spaeter noch mal mit dem Foto hinwollte, kamen mir von einer Sekunde auf die andere beide Eltern geschlossen aus dem Nest entgegen, so dass ich dann doch lieber darauf verzichtete ;)) Danach gab es einen der grossen Regenguesse, so dass ich klatschnass in die Lavanderia kam, um die Maeuse frisch zu machen. Jeden Tag nur Futter und Wasser zu erneuern, ist schon wirklich lustig, aber wenn man das ganze Streu rausnimmt, sieht man erst mal, wie viele Maeuse da Junge haben und wiiieeee wiiinzig die sind…hiiiiiiiiii ;)

Apropos Maeuse: Unsere Anakonda will nicht mehr essen. Sie haeutet sich im Moment, ihre Augen sind ganz weiss und milchig. Beim Haeuten geht selbst ueber den Augen eine ganz duenne Hautschicht mit ab, daher schaut die bisl psycho aus zur Zeit :D Die Maus, die wir vor ihrem Maul paar Mal ins Wasser tauchten, hat sie einfach nicht gewollt…vielleicht nach dem „Kleiderwechsel“ dann…

Kaiman, Wasserfall…die letzte Klappe:

Am Sonntag, meinem letzten Arbeitstag, bin ich schon um halb 6 hellwach (dafuer hab ich Tag davor verpennt und bin erst um 5 vor 7 (also 5 Minuten vor Arbeitsbeginn) hochgeschreckt). Wir sind nur noch 4 Leute in der Bodega, alle anderen Volontaere sind schon gegangen. Mitte und Ende Maerz gab/gibt es einen fast kompletten Wechsel an Volontaeren und die letzten Tage war jetzt wirklich ein Engpass da. Da kommt man mit Feeding und Touristentouren kaum hinterher. Fast Fliessbandarbeit ;). Am Nachmittag hab ich kurz Zeit, also noch mal Fotos machen gehen. Stehe noch mal bei den Tortugas (die ganz grossen Wasserschildkroeten hatte ich noch nicht…) druecke gerade auf den Ausloeser, als sich ploetzlich vor den Schildkroeten im Schilf was bewegt…dann gleitet der Kaiman ins Wasser!! Das gibts doch nicht! Der Kaiman hatte fuer mich schon Mythos-Status, ein Tier, dass angeblich da sein soll, das man aber NIE, wirklich NIE gesehen hat. Wenn ueberhaupt, dann war da vielleicht gaaanz hinten im Wasser mal so was kleines Schwarzes, was er evtl. war, aber vielleicht auch nur n Stein oder n Ast. Ich hab auf meinen Touristentouren immer erzaehlt, dass ich hoffe, ihn wenigstens einmal zu sehen, bevor ich gehe. Und ploetzlich, an meinem letzten Tag, sitzt dieses 1,20m lange Vieh nur ein paar Meter von mir weg. Ich haette jubeln koennen, schreien, in die Luft huepfen (bin ich, glaub ich, sogar ;))…stehe etwa eine Minute fasziniert vor diesem Wasserbecken, als ich ploetzlich einen Gedanken kriege…das Foto, das ich gemacht hab…schaue gleich nach…uuuund er ist drauf!!! JUHHHUUU! Ich hab ein geniales Foto mit unserem Kaiman vor Schildkroetenhintergrund! Noch lustiger waers ja gewesen, wenn ich den Kaiman gar nicht gesehen haette und ihn erst spaeter auf dem Foto entdeckt haette :D

Nachdem ich am spaeten Nachmittag noch gefilmt hab, wie Miriam Amu und Flora (die beiden kleinen Wollaffen, in espagnol monos lanudos) ihre Waermflaschen gibt (hiiiii), mag ich unter die Dusche…aber es kommt besser: Miriam nimmt mich mit zum Wasserfall…warum hab ich das nicht schon frueher ausprobiert?! Das Duschen ist dermassen genial, wir springen, lachen, schreien, ich hole sogar noch meine Kamera…sind n paar geniale Fotos dabei ;) Sowas von perfektem Dschungeldasein…

Der Abschiedsabend ist dann wirklich toll, Gisela (unsere neue Head-Volontaerin) bedankt sich extra noch mal bei Miriam und mir (wir haben ja gleichzeitig aufgehoert), wir singen mit Gitarrenbegleitung, es gibt leckeres Essen, Joelle bringt mir sogar noch den zweiten Brief von meinem Papa vorbei, der heute grade noch angekommen ist. Perfekt! Ein toller letzter Tag!

Und nun bin ich in Tena, habe mir heute einen freien Tag gegoennt, morgen gehts dann weiter nach Baños, 4 Stunden Fahrt (so zur Eingewoehnung), da mag ich dann Mittwoch und Donnerstag noch bleiben, evtl. in ein Hotel mit Whirlpool (im Reisefuehrer stand: perfekt, um sich von einem Dschungelabenteuer zu erholen… ;)) und die bieten auch Touren per Pferd an, die Umgebung von Baños soll absolut toll sein. Das goenn ich mir dann noch, bevor ich dann versuchen werde, relativ flott ueber Riobamba bis nach Loja zu kommen (insgesamt etwa schaetzungsweise 15-16 Stunden), von da dann noch mal 8 bis Piura (schon peruanisch), das dann nur noch 2 Stunden von Chiclayo entfernt ist (da war ich damals schon mal auf einem Tagesausflug mit dem Padre), und von da sinds dann vielleicht noch mal 2-3 Stunden bis Trujillo…werde also etwa 35 Stunden im Bus verbringen, vielleicht auch 40, man weiss ja nie, wie das so geht. Freue mich trotzdem…nicht unbedingt auf die Fahrt, aber auf jeden Fall auf Nilzas Gesicht, wenn ich bei ihr anklopfe und „Hola Chica“ rufe. Fuer alle, die nicht wissen, wer Nilza ist (schaemt euch ;D): Nilza ist eine Freundin, die Christina und ich (mit ihr war ich vor drei Jahren in Peru) damals kennen gelernt haben in Trujillo, sie ist eine der liebenswertesten und suessesten Personen, die ich kenne. Nach 5 Wochen hatte uns die gesamte Familie von ihr ins Herz geschlossen und uns am letzten Abend sogar zum Essen in ihre Wohnung eingeladen. Ich habe ein Bild mit 13 Leuten, die alle nur unseretwegen gekommen sind. Bin jedes Mal geruehrt, wenn ich dieses Foto sehe und freue mich wahnsinnig, sie in ein paar Tagen ueberraschen zu koennen. Sie hat keine Ahnung, dass ich komme und wird hoffentlich nicht in Ohnmacht fallen :D (Tinsken, ich drueck sie auch von dir!)

So, erst mal bedanke ich mich bei allen Lesern, die neugierig auf die Dschungel-News waren. Danke fuers treue Lesen *den imaginaeren Hut zieh* Der Wahnsinn, dass diese Zeit nun schon vorbei ist. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich die Homepage dann auch mal mit ein paar Fotos fuettern.

Naechste Woche melde ich mich dann aus Trujillo im Norden Perus…keine zwei Wochen mehr, dann hat mich Alemania schon wieder. Ich freue mich auf euch alle!!! :)))

BESOS ihr Lieben!

Kommentare (1):

Poo-Manager oder auch Caca-Jefe…

Hola gentes ;)

melde mich mal wieder aus Tena, auch, wenn ich dieses Mal nicht viel Zeit habe. Irgendwie ist es immer stressig, wenn man hierher faehrt ;) Trotzdem will ich euch mal wieder updaten, was im Urwald so vor sich geht. Kleine Geschichten fuers Herz ;) Meine letzte Woche hat begonnen, was allen Ereignissen einen gewissen Abschiedsmantel angezogen hat, man geniesst noch mehr, erlebt noch intensiver, man nutzt die verbleibende Zeit durchgehend.

Martina, unsere Kapuzineraeffin sollte vielleicht von ihrem jetzigen Kaefig in die Lavanderia (Waescherei) umziehen. Neuerdings faengt sie naemlich immer an, ihre Monkey-Clothes zu waschen :D Sie prueft erst das T-Shirt oder die Hose eingehend, wenn man sie ihr in die Pfoten gibt (bei den Hosen krabbelt sie immer komplett durch die Beine durch), danach wird alles ins Wasserbecken gestopft und ordentlich mit den Pfoten runtergedrueckt und rumgerieben, bis alles schooooeeen nass ist ;) Es ist ein Bild fuer die Goetter…

Ausserdem hatte ich letzte Woche den Job des sagenumwobenden Poo-Manager oder auf espagnol Caca-Jefe inne ;) Es sollte fuer diese Stellung ein T-Shirt mit passender Aufschrift geben, find ich :D Aufgabe ist, die Kacke von den Affen im Touristenbereich zu entfernen. Eigentlich ne lustige Sache…es sei denn, Yuma hat Durchfall, dann macht das nu nicht sooo viel Spass :D

Die Maeuse, die wir selber zuechten als Lebendfutter fuer die Anaconda sind in die Liste meiner „favorite animals“ aufgestiegen. Sie haben recht haeufig Junge und sie legen sie immer in eine der leeren Futterdosen. Wenn man die dann am naechsten Morgen rausnimmt und die Jungen vorsichtig ausleert, dann kommen die restlichen Maeuse immer gleich angelaufen und tragen die Kleinen in die Holzroehren rein :D Macht so nen Spass, da zu zu sehen. Die sehen auch echt zu ulkig aus so ohne Fell, die Augen noch zu…nieeeedlich!!!

Men hat mir mittlerweile den Titel „Affenfluesterin“ verliehen :D Amu und Flora, unsere beiden kleinen Wollaffen, muessen abends immer in den Cage, weil sie nachts noch nicht die Gefahren draussen abschaetzen koennten. Manchen Volontaer kostet das oft Nerven, denn wie alle Kinder wollen die beiden auch nicht vom Spielen reinkommen. Ich weiss nicht genau, woran es liegt, aber ich hab das irgendwie voll drauf :D Die beiden laufen mir immer direkt nach in den Cage, sobald ich sie rufe. Kann natuerlich auch an der gefuellten Futterschuessel liegen, die ich in der Hand habe :P, aber den Titel hab ich trotzdem ;)

Cedru, der ausgewachsene Wollaffe, der Miriam, eine Volontaerin und mittlerweile Freundin von mir, angegriffen und verletzt hatte, und auch schon mal bei uns im amaZOOnico aufgetaucht war, hat uns einen zweiten Besuch abgestattet. Dieses Mal traf es Seraina, eine Volontaerin aus der Schweiz. Sie war mit Joshi, dem Jungen von einer der Lehrerinnen hier, unterwegs zu einem grossen Brettwurzelbaum, als ploetzlich wieder Klammeraffen in den Baeumen auftauchten. Die Klammeraffen sind Cedrus Gefolge, die sind eigentlich harmlos, aber immer dabei und ein Zeichen, dass Cedru in der Naehe ist. Einige Baeume weiter war er dann auch, ging direkt zum Angriff ueber, sprang auf den Boden und stuermte auf Seraina und Joshi zu. Die rannten nur noch den Weg zurueck, Seraine spuerte, wie Cedru nach ihren Stiefeln griff. Nach zweimaligem lauten Schreien liess er von ihr ab, meinte sie, sie hat sich nicht mehr umgedreht, sondern ist einfach nur noch weiter gerannt, bis sie nicht mehr konnte. Schon ne krasse Geschichte.

Ein paar Tage spaeter kam Raphaela, eine Volontaerin aus Deutschland, aus Marcisapa Alpa (so heisst die Auswilderungsstation, in der Cedru lebt und die von drei bis vier Volontaeren kontrolliert wird) in den amazoonico zurueck. Sie hatte ein tiefes Loch im Bein. Sie meinte, sie haette am Nachmittag auf der Bank vor ihrem Haus gesessen, die beiden Jungs, vor denen Cedru Respekt hat, waren kurz reingegangen, Cedru kam naeher, relativ ruhig, ging einmal um sie herum, biss ihr dann mit voller Kraft ins Bein und rannte weg. Der Wahnsinn. Es musste genaeht werden, man hoerte Schreie und Flueche aus dem Vetroom und die anderen Volontaere flitzen mit Beruhigungsstofftier und Schokolade und anderen Mutmachern rein und raus. Was das angeht, bin ich froh, wenn ich hier weg komme. Letzte Woche hatte ich eine Touristenfuehrung, 5 Senioren aus den USA und es gab eine erneute „Cedru-Warnung“ (er waere evtl. wieder da, weil andere Affen bei uns sehr nervoes waren und oft gerufen haben). Ich habe staendig die Baeume abgesucht, aber nichts gesehen. Von Michael, unserem Chef, haben wir mittlerweile die Erlaubnis, selbst mit Touristen in den naechsten sicheren Cage zu fluechten, falls Cedru auftaucht. Hoffe einfach das Beste fuer die letzten Tage hier.

Wenn wir grade bei Touristenfuehrungen sind: Vorletzte Woche hatte ich am spaeten Nachmittag noch eine Fuehrung mit vier Deutschen, echt nett, alternativ, locker drauf, total relaxt, Backpacker ausm Bilderbuch halt ;) Wir stehen gerade am Anaconda-Gehege, als das eine Maedel meint: „Ey, es ist grade sooo hell, und ich hoer auch irgendwie nichts mehr…!“ WHAT??? Ihre Freundin half ihr, sich hinzusetzen, ich flitze zur Bar, holte Wasser, rief Men zu, der dann zu Joelle und Michael rannte und Bescheid gab, dass meine Touristin grade umkippt. Sogar Sonja, unsere Veterinaermedizinerin kam noch hoch. Gluecklicherweise erholte sich das Maedel recht schnell und wir konnten die Tour dann beenden. Sie meinte, sie waeren erst 2 Tage hier in der Region, das Klima waere schon krass und an dem Tag wars auch uebelst heiss. Aber hui, das war schon echt n Schreckmoment…

Dann haben wir noch ein Experiment mit Beata, unserer Klammeraeffin gemacht. Wir haben sie an der Stirn lila angemalt und ihr dann einen Spiegel vor gehalten. Und sie hat sich tatsaechlich an den Kopf gegriffen und geschaut, was da ist. Sie ist also schlau, auch wenn ihr Blick leicht duemmlich ist ;P Jetzt schaut sie noch ein paar Tage wien kleiner Punk aus :D Bin mal gespannt, wann der erste Tourist nachfragt :D

Eigentlich ist es schade, dass ich schon Ende dieser Woche gehe, denn wuerde ich bis Mitte April bleiben, haette ich ein Angebot von unseren Managern, eine unserer Auswilderungsstationen zu leiten. Barizo Alpa wildert ausschliesslich Totenkopfaeffchen aus und ist nun wirklich am Arsch der Welt. Ich meine, wir leben im amaZOOnico schon einfach, aber in Barizo Alpa gibts kein fliessend Wasser, Waschen muss man sich im Fluss, Trinkwasser vorher abkochen, natuerlich auch kein Strom oder sonstigen Schnickschnack. Haette es gerne fuer ein paar Wochen ausprobiert, das Projekt ginge aber eben laenger. Wirklich schade. Aber da sieht man mal wieder, dass Frau A. vom letzten Mal falsch lag, von wegen „your work is not good, not enough!“ Sonst haette ich dieses Angebot wohl kaum bekommen. Aber Frau A. ist seit letzten Samstag eh weg aus dem amaZOOnico, Entspannung und Freude am Arbeiten ist eingekehrt, wie ich gehofft hatte.

Und noch ein letztes: Letzten Donnerstag scheint die Sonne vom Himmel, ich stehe unten am Rio, mit einem Sack Yuccas (eine Wurzel, die die Tiere gerne fressen) auf dem Ruecken, als es ploetzlich zu troepfeln anfaengt. Das ganze weitete sich dann aus zu einer Dusche unter freiem Himmel und das bei strahlendem Sonnenschein…absolut genial. Noch nie erlebt und bis in die nassen Haarspitzen genossen…

Damit beende ich meinen heutigen Bericht. Muss nu noch zur Bank, einen mittlerweile dritten Versuch starten, meine Traveller-Cheques zu wechseln. Ecuador und organisatorischer Kram passt definitiv nicht zusammen…

Bis naechste Woche ihr Lieben. Bin Montag abends (eurer Zeit) wohl relativ lange online, wuerd mich freuen, den ein oder anderen von euch bei skype zu treffen… :* Besos

Kommentare (4) »

„Da rein…Da raus“…

Ein herzliches Hola an alle Leser ;),

und wieder Nachrichten aus dem Gruen von mir. Und ich wage zu behaupten, dass alles dabei sein wird, Schoenes, nicht so Schoenes, Positives, Negatives, Lustiges, Trauriges, Sachen zum Schmunzeln und Sachen zum Kotzen (wortwoertlich sogar).

Die Heimfahrt letzte Woche von Tena war ein kleines Abenteuer. Der Fahrer hatte wohl einen Fuss am Gaspedal festgeschnuert, Bremsen war irgendwie nicht. Vor Kurven wurde lange gehupt, ausweichen wenn noetig ging bei vollem Tempo rechts in den Graben, bei Bodenwellen glich die Fahrt einer auf einer Achterbahn, da verrutschten echt n paar Organe, man hat sich mehrmals beim Sitznachbarn entschuldigt ;), so wie man da durchgeschuettelt wurde. War sehr froh, als ich endlich in Puerto Barantilla aussteigen konnte. Da ist Kanu fahren um so viel angenehmer.

Zwischenmenschliche Differenzen…

Ja, ich glaube, so ist der korrekte Ausdruck. Obwohl das, was ich letzte Woche erlebt hab, mit KORREKTheit so gar nichts mehr zu tun hat. Um die Anonymitaet zu wahren, seien die Schuldigen im Folgenden nur Frau A. (Head-Volontaerin) und Frau F. genannt :P…letzten Donnerstag musste ich mit Frau F. die Kueche desinfizieren, eine etwas nervige Aufgabe, die einmal die Woche ansteht und etwa zwei Stunden dauert. Frau F. fragt mich, als ich um elf Uhr vormittags von ner Touristentour komme, ob wir mal anfangen koennten, sie faehrt heute nachmittag noch nach Mishualli und haette dann keine Zeit mehr. Uff, bin grad bissl erledigt, aber ok. Gehen also runter, sie faengt mit den Tellern und Bechern an, ich mit dem grossen Regal. Frau F. fragt, ob ich auch ne heisse Schokolade mag. Nettes Angebot. Ich setz mich also 5 Minuten hin, um zu trinken (es hat geregnet an dem Tag, daher was Heisses ;)). Frau F., leicht angesaeuert: „Weisst aber schon, dass wir hier bis 12 fertig sein muessen, nachm 2. Feeding hab ich keine Zeit mehr.“ Oehem, es ist schon nach elf, Kueche desinfizieren dauert mindestens zwei Stunden…ich mache mal ein Angebot und meine: „Koennen ja soweit machen, wie wir jetzt kommen, und wenn du dann weg musst, kann ich den Rest noch alleine machen.“ Keine Antwort, nur ein Schnaufen. Kurz darauf stuermt Frau F. wortlos aus der Kueche, laesst mich alleine weitermachen. Nach dem Mittagessen kommt dann Frau A. zu mir, meint, sie muesse mit mir reden. Stellt euch das Folgende bitte in einem ernsten und motzigen Ton vor, kurz vorm Laut-werden: „Deine Arbeit ist nicht gut, nicht genug. Das sagen alle und ich bin auch dieser Meinung. Wenn du sagst, du gehst runter, um die Kueche zu desinfizieren, dann hast du das gefaelligst auch zu machen und nicht nur rum zu sitzen. Wir sind hier ein Team und wenn du eine Arbeit nicht machst, muss es jemand anderes fuer dich tun und das ist nicht fair. Du bist hier Volontaer und musst jeder Zeit deine Hilfe anbieten. Und wenn du am Nachmittag nach Tena faehrst (machen wir manchmal, am Nachmittag nach Tena, wenn man am naechsten Tag frei hat), dann darfst du erst um 15.30 Uhr runtergehen, wenn das Kanu um 15:45 kommt, NICHT frueher! Und noch Duschen oder sowas, das ginge nicht.“ Meine Erklaerungen, dass ich sehr wohl desinfiziert habe, nur einmal bereits um 15:00 runter gegangen war, aber nur, weil ich noch die Banos putzen musste…NIE geduscht habe, bevor ich nach Tena gefahren bin (ist ja total bloedsinnig, wenn man im Hostel ne heisse Dusche kriegt)…tja, die laesst Frau A. nicht gelten…“Es gibt ja immer eine Entschuldigung!“…zurueck bleibt eine ueberraschte und etwas platte Miri…was war das denn??? Und woher kommt das? Ich dachte, ich mache mich hier sehr gut. Wie soll die „Volontaerin der Woche“ (wie Michael und Joelle, unsere Manager mich nennen) keine gute Arbeit machen??? Und was zum Teufel ist in Frau F. gefahren, dass sie mich dermassen in die Pfanne haut und Anschuldigungen vorbringt, die einfach nicht stimmen? Ueber den Nachmittag wird mir das Ausmass dieser Sache klar, wie soll man mit Leuten arbeiten, die so von einem denken, einen kontrollieren und hinterher schnueffeln, dass man auch ja alles erledigt? Das hier sollte Spass machen…urspruenglich. Der Spruch von Frau F. spaeter: „Koennen wir das mit der Kueche dann auch mal ernsthaft probieren?“ setzt dem ganzen dann noch ein saures Sahnehaeubchen auf. Durchatmen…die Texterin aus Muenchen hatte mir Gott sei Dank vor meiner Reise einen Button geschenkt mit dem „Da rein-Da raus-Hasen“ drauf…auf Durchzug schalten und labern lassen. Innerlich sehe ich rosa Bluemchen und Schmetterlinge…nicht aufregen lassen :P Trotzdem trifft mich diese Sache sehr. Eine Klaerung fand bis heute nicht statt. Die Kueche habe ich dann alleine desinfiziert, Frau F. schlaeft jetzt in einem anderen Zimmer (ohne mir Bescheid zu sagen), ist aber total nett zu mir. Vielleicht hatte sie auch einfach nen richtig schlechten Tag. Mit Frau A. wird das Notwendigste gesprochen, um nicht noch mal Opfer ihrer Frustriertheit zu werden, die sie, wie ich festgestellt habe, jeden Tag mit sich rumschleppt. Bemuehe mich um eine neutrale Stellung, nicht, weil ich keinen Streit oder Diskussion durchstehen koennte, sondern ganz einfach des Haussegens wegen und weil sowohl Frau A. als auch Frau F. Ende der Woche im amaZOOnico aufhoeren.

Es gibt aber auch auch sehr viel Schoenere und lustigere Berichte zu unserer Truppe: Beispielsweise haben Seraina und ich jetzt eine abendliche Vorlesestunde ;), in der ich aus „unserer Bibel“ („Die Bibel nach Biff“, schon mehrmals erwaehnt) vorlese. Ist sehr spassig, das kann man richtig perfektionieren mit verschiedenen Stimmlagen und theatralischen Pausen ;)…ist schon ne kleine Tradition. Gegen 18.00 hoert man immer „Miri…time for BIFF!“ ;)

Oder wenn wir statt die Frutas vom Rio hoch zu tragen, erst die Faulen abmachen und damit einen Platano-Weitwurf-Contest starten :D Da gewinnen zwar immer die Maenner mit den starken Oberarmen, Spass machts aber ohne Ende ;)

Oder wenn man beim Bodega-Aufraeumen grade aus der Tuer will und Sonja den Wasserschlauch wie eine Schranke vor einen haelt, so dass man einen Limbotanz unterm Wasserstrahl vollfuehrt ;)

Oder wenn wir waehrend einer Touristenpause die Blasrohre (Souvenir von den Waoranis, die wir verkaufen) in der Bar ausprobieren. Hab den Holzpapagei gleich beim ersten Versuch getroffen… :)

Salzstangen und ein Ei aus Kopenhagen…

Tja, muss mal wieder meine Krankenakte erweitern um das Wort: Lebensmittelvergiftung. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wache ich mehrmals auf, weil mir uebel ist. Der Eimer, den ich mir mal vorsichtshalber nebens Bett gestellt habe, brauche ich dann auch. Uebergebe mich zwei mal in der Nacht, habe Durchfall und Fieber. Vom naechsten Tag kriege ich nicht viel mit. 39.6 Grad, schlafe viel, traeume wirres Zeug (dass ich Eier kaufen muss, aber nur welche, die aus Kopenhagen kommen?!?), habe Schuettelfrost und Hitzewallungen, mir ist selbst nach blossem Wassertrinken schlecht, mein Magen krampft von Zeit zu Zeit. Gegen Abend geht das Fieber dann wieder leicht runter, am naechsten Tag laufe ich wie Wolken zur Toilette, mir ist schwindlig, immer noch schlecht. Erst am Sonntag versuche ich wieder zu arbeiten (mag nicht mehr liegen), geht grade so, habe 3 Tage nichts gegessen, taste mich mit Bruehe und trocken Brot langsam wieder ran.

Mittlerweile ist das ueberstanden, geht mir wieder bestens, lache wieder und bin voll im Einsatz.

Dann mal wieder noch lustige Tiergeschichten:

Habe beim Rundgang durch den Park ein dumpfes Klopfen gehoert, ein tiefes Stoehnen…hae? Dann seh ich die „Uebeltaeter“, zwei Schildkroeten, die sich miteinander vergnuegen :D…obwohl das eher nach Anstrengung ausschaut…na dann, haut rein;)

Wir haben eine Wickelbaerin, die, wenn man sie aufweckt (sind nachaktive Tiere), extrem launisch werden kann. Einige unserer Volontaere sind schon angesprungen und ordentlich zerkratzt worden. Wir nennen sie nur „La Bitch“ ;) Neulich war ich mit Jule im Gehege, um die Wasserbecken sauber zu machen, als ploetzlich ein hellbrauner Kopf mit schwarzen Knopfaugen aus der Schlafroehre guckt, mich sieht und dermassen anfaucht, dass ich direkt die Flucht ergriffen hab…Mistvieh… ;)

Martina, unsere Kapuzineraeffin in der Enfarmeria, beachtet einen sonst beim Kaefig sauber machen nicht sehr viel. Letzte Woche buecke ich mich grade runter, als sie angehopst kommt und sich auf meinen Schoss legt, sich richtig reinkuschelt…was ist denn mit der los? Wie niedlich. Spaeter, als ich ihr ihre Monkey-Clothes gebe (alte Klamotten von ehemaligen Volontaeren) schluepft sie mit dem Kopf voran in die Jogginghose und guckt unten dann wieder raus und tschirbt…zum Schiessen! :D

Habe ja letztes Mal erzaehlt, dass ein Maedel hier von einem ausgewachsenen Wollaffen, Cedru, angegriffen wurde. Er lebt normalerweise auf Marcisapa, eine unsere Auswilderungsstationen. Letzte Woche meint Joelle am Nachmittag: Cedru ist hier. Hinten an der Bodega. NICHT mehr da hin gehen. Besser drin aufhalten. Wir tappen also alle runter zum Volontaers-Haus, als Danilo (Volontaer aus Ecuador) meint: „Ey, hay una mono arana en el arbol!“ Ich schaue hin…ein Klammeraffe turnt oben in einem der Baeume uebern Rio. Was macht der denn hier? Und da ist noch ein Zweiter…HAE? Wer sind die? Dann bewegt sich weiter unten noch ein dritter Affe: CEDRU! Shit! Alarm am Haus! Alle rennen rein, Tuer zu. Cedru kommt, sieht auch echt kraeftig aus, furchteinfloessend. Huuiii…er trampelt auf dem Dach, springt in die Baeume…Men und ich ueberlegen schon fuer unser Drehbuch zum Film „Bad Monkey II – Der Affe kehrt zurueck“ ;), als Joelle und Michael von oben runter kommen, Angelika und Remigio Bescheid geben. Die kommen mit dem Kanu, kurz danach hoeren wir Schuesse vom Betaeubungsgewehr. Getroffen haben sie ihn nicht, aber verscheucht. Er ist jetzt wieder da, wo er hingehoert. Und die insgesamt 4 Klammeraffen, die er mitgebracht hatte (die „Gang“ so zu sagen ;)) ist auch wieder weg. PUH! Glueck gehabt.

So, in 15 Minuten faehrt mein Bus und ich muss dringend noch aufs Klo! :D Falls ihr ganz genau wissen wollt, warum ich meinen Bericht fuer diese Woche beende :P Bin naechste Woche noch mal da!

Denk an euch alle!!! Vermiss euch! Hoffe, euch gehts allen gut und ich hoere von dem ein oder anderen mal wieder was!

Besos :*

Kommentare (1):

Chichicos mit Senfsosse… ;)

Buenos dias meine lieben Leser,

habe mir die letzte Woche einen Sonderjob im amaZOOnico erarbeitet (mein Chef meinte, ich sei schon so lange hier und ausserdem hab ich mir das verdient als offizielle Volontaerin der Woche :P (habe mit 5 Touristen ueber 60$ gemacht…hihi)). Der Sonderjob bestand darin, zwei Chichicos, das sind ganz winzige schwarze Aeffchen (schauen so aehnlich aus wie die hier: http://www.zoo.ch/xml_1/internet/de/application/d3/d294/f1454.cfm?id=95) zu beobachten. Sie wurden bei der Liana Lodge, ein Hotel in der Naehe vom amaZOOnico (gehoert Angelika, der Gruenderin des Ganzen hier), frei gelassen und ich sollte mit ihnen gehen und ihnen folgen, sie, wenn noetig, von den Cabanas (Huetten der Touristen), dem Restaurant und der Bar fernhalten. Eigentlich eine spannende Aufgabe. Also kaempfte ich mich morgens um halb 8 durch das dichte Urwalddickicht, an Wasserfaellen vorbei, durch Bachlaeufe hindurch, um Brettwurzelbaeume herum bis zur Liana Lodge, etwa 15 Minuten Fussweg. Der Tag an sich gestaltete sich dann eher „ruhig“, die beiden Kleinen trauten sich erst ewig nicht aus ihrem Kaefig, aber das Opossum im  Nachbarkaefig leistete mir Gesellschaft beim Warten ;) Spaeter dann, nachdem die Chichicos dann die offene Kaefigtuer bemerkt und auch genutzt hatten, wurde erst mal die ein oder andere Heuschrecke verdrueckt (das Knacken und Schmatzen war zu lustig), dann die umstehenden Baeume und Straeucher begutachtet. War wirklich toll, dabei zuschauen zu duerfen, allersings hat nach ein paar Stunden echt ne Sitzgelegenheit gefehlt ;). Zweimal wurde es an dem Tag etwas hektisch, da beide Aeffchen nacheinander mal die Bar der Liana Lodge erkunden wollten. Die ist rund, mit Holzbalken unter dem Schilfdach, so dass es wohl sehr ulkig gewirkt haben muss, wie die Affen oben auf den Balken im Kreis liefen und ich mit dem Hund des Hotels (der sichtlich irritiert war) und bewaffnet mit einer kleinen Wasserspritzpistole unten hinterher ;)…was man nicht alles tut :D

Gegen 4 Uhr nachmittags gings dann wieder zurueck „nach Hause“, da stand dann Abendessen kochen fuer 15 Volontaere auf dem Programm. Und ich hatte den Tag ueber die zuendende Idee, die beruehmten „Eier in Senfsosse“ zu machen, die meine Mama immer gemacht hat. Mit Dan, einem Volontaer aus den USA, teilte ich mir den Herd, er ist Koch und machte sich mit einer selbstgemachten Salsa und Sesam-Couscous (oder sowas) tot. Ich hatte schon Befuerchtungen, dass mein Essen gnadenlos abstinken wuerde, allerdings war es eher andersrum :P Alle Volontaere waren begeistert, wollten das Rezept und dass ich jetzt immer koche. Habe hier auch schon mein Pfannenbrot eingefuehrt, dass nie laenger als ein paar Minuten in der Kueche steht…alles sofort aufgefuttert ;)

 

Der unechte AmaZOOnico…

Neulich meint eine Touristin zu Flu (meiner Zimmerpartnerin), als sie bei den Schildkroeten stehen: „Ach, schaut mal, da haben sie sogar eine Unechte auf den Ast da gesetzt.“ Da sich Schildkroeten nicht wirklich viel bewegen, hatte sie wohl falsche Schluesse gezogen…Flu musste sich ein Lachen verkneifen und meinte: „Oehm…nee, das sind alles echte. Wir haben hier generell nur ECHTE Tiere im amaZOOnico.“ Das war dann abends der Ausloeser fuer eine von uns entwickelte Idee, die von viel, sehr viel Lachen begleitet wurde: der UNechte amaZOOnico…da gabs dann Vorschlaege, wie Barizos (Totenkopfaeffchen) an Seilen, die man durch die Baeume ziehen kann, Nasenbaeren, die in Reih und Glied auf Schienen ueber den Weg fahren, einen Kaiman, der immer mechanisch das Maul auf- und zumacht und ein Fisch, der im hohen Bogen immer in sein Maul und zurueckspringt, Papageien, deren „Hola“, „Comida“ und „Horito“ (Babybananen) vom Band etwas blechern klingt, Roboteraffen, die nur abgehackte Bewegungen machen und hinten einen On/Off-Schalter haben, wir Volontaere schleppen natuerlich nur Plastik-Frutas die Treppen hoch, die Pflanzen sind selbstverstaendlich auch keine echten und wir leben unter einer grossen Glaskuppel, damit auch ja keine Natur reinkommt… :D…hui, war das ein witziger Abend…:)

Dann noch die ein oder andere Tierstory in Stichpunkten:

- Kraechzen in den Baeumen: neulich beim Day Off in der Haengematte ploetzlich seltsame Geraeusche gehoert, in den Baum gegenueber geschaut und eine ganze Gruppe wilder Papageien gesehen. Super faszinierend, ein ganz eigener Sound.

- N Hendl ohne Pommes bitte: haben versucht, der Anakonda ein ganzes Huhn als Wochensnack zu geben, die wollte aber nicht so richtig. War bisher ja auch bloss kleine weisse Maeuse gewohnt.  Sie hat das Huhn zwar umwickelt und ein paar mal versucht, es zu essen, hat aber dann aufgegeben und war froh, als wir ihr wieder ihre gewohnten Happen ins Wasser hielten. Vielleicht gibts diese Woche mal ein halbes Hendl oder so ;)

- eine ungewoehnliche WG: Gisela, eine Volontaerin aus der Schweiz, hat eigentlich ein Ein-Bett-Zimmer, aber seit ein paar Wochen bereits einen kleinen haarigen Mitbewohner…eine Tarantel, etwa faustgross, sitzt immer hinter ihrem Handtuch auf einem Holzbalken, frisst die Insekten, daher hat sie Wohnrecht…hoffen wir, dass Giselas Moskitonetz auch dicht ist…uiiii.

- Krieg der Ameisen: Hatten neulich eine Ameisen-Invasion an unserem Haus. Schwarze Strassen, die ueberall an unserem Haus hoch liefen, Audreys Zimmer (Volontaerin aus Belgien) bevoelkerten und uns ordentlich ins Schwitzen brachten. Haben ewig gebraucht, bis wir „das Groebste“ mit Dragon und Pix (Insektenvergifter) gekillt hatten (entspricht ja nicht eben unserer Philosophie des Tierschutzes, aber was will man machen?).

- Ruecken-Jump am Monkey-Table: Auf der Monkey-Bonanza-Tour (haben unsere Feeding-Touren jetzt umbenannt, Sebastian (Volontaer aus Daenemark und lustig durchgeknallt, hatte die Idee, das etwas laessiger zu gestalten. Die anderen beiden heissen jetzt Extravaganza-Tour und Fun-Tour ;)) stehe ich am kleinen Monkey-Table und will gerade den Futtereimer hochheben, als ich einen Schlag auf dem Ruecken merke, mich erschreckt aufrichte und direkt vor mir ein kleiner Barizo auf dem Table sitzt und mich etwas schuldbewusst anschaut, er hatte meinen Ruecken als Moeglichkeit genutzt, von einem Ast auf direktem Weg zum Futter zu kommen. Mit einem Stueck Papaya war die Sache dann geklaert ;)

- Paloma auf Freigang: Eins unserer Ozelote hat die Arbeiten am neuen Gehege (haben eine grosse Spende bekommen und konnten das Gehege vergroessern) genutzt und ist ausgebrochen,. Da sie Fleischfresser sind, fuer uns alle nicht so ungefaehrlich (sind aber alles Haustiere gewesen und daher nicht so aggressiv). Haben eine Falle aufgestellt, die ich dann auch mal alleine stellen durfte, war echt spannend. Gebracht hat es nicht fiel, wir fanden Paloma am naechsten Morgen im Huehnerstall. Eins musste dran glauben, aber Vero (unsere Koechin) hat das dann noch fuer die Suppe mittags genommen…joa…lecker…

- Home sweet home: Haben jetzt einen hauseigenen Nasenbaer. Er hat sich unser Haus als Schlaf- und Wohnplatz ausgesucht, liegt oefter auf dem Blechdach und schnarcht oder klettert an der Tuer rum, so das Isabel (Volontaerin aus Ecuador) drinnen warten musste, bis der Herr es sich anders ueberlegt hatte und wieder Richtung Dach geklettert ist (habs gefilmt, der Hammer :D). Gestern morgen sass er dann unten vor der Kueche und hat eine von den Avokados gefuttert, die hier immer wieder von den Baeumen fallen…

- No, Beata, NO!!!: Beata, unsere Klammeraeffin, hat seit ein paar Tagen den Drang, uns nahe zu sein, was sich so aeussert, dass sie immer wieder an den Tueren probiert, ob wir auch wirklich abgeschlossen haben…und wenn nicht, dann reinschluepft, in die Zimmer geht, Gisela ein fluessiges Geschenk unterm Bett hinterlaesst, Nicoles Unterhosen im Zimmer verteilt oder ueber die frisch gewaschenen Kleider der Volontaere krabbelt. Musste sie schon oefter schimpfen und wieder raustragen. Nutzt aber irgendwie nicht viel. Neulich macht Men (Volontaer aus der Schweiz) nichts ahnend die Tuer auf und direkt davor sitzt Beata, kampfbereit und mit leicht duemmlichem Blick wie immer. Men springt zurueck…“Wohhhhh!“ und knallt die Tuer wieder zu, als haette ihm gerade eine Kobra ihre Giftzaehne gezeigt ;)

- Sternzeichen in Groesse 38: Sortiere gerade die T-Shirts, die wir in der Bar an die Touristen verkaufen, nehme sie aus den Huellen, lege sie noch mal ordentlich zusammen…hm? Was ist das denn? Was kleines, schwarzes zusammengerolltes liegt im T-Shirt, ich schuettele es aus, auf dem Tresen liegt ein kleiner Skorpion, tot…dachte ich. Bis er sich ploetzlich aufrappelt und losflitzt, da springt man dann schon mal einen Meter zurueck…hoppla!

- Eine Art Mutterersatz: Liege am fruehen Abend in einer der Haengematten, Yuma (junge Wollaeffin) kommt am Drahtfenster entlang zu mir geklettert, sitzt keine Armlaenge mehr von mir entfernt. Ich strecke ihr einen Finger durchs Gitter, sie leckt daran, nimmt ihn dann in den Mund und schliesst die Augen…uiiii…wie niedlich ist das denn? :)

- Waerme von unten: Eine der Responsibilities, die ich immer mal wieder machen darf, sind die Funtas Calientes. Waermflaschen fuer Amu und Flora, zwei noch sehr junge Wollaffen (1,5 Jahre und 11 Monate alt). Wenn man dann in den Cage geht, die Waermflaschen in Monkey-Clothes (alte Klamotten von ehemaligen Volontaeren) einwickelt und auf den Schlafboxen der beiden festbindet, k0mmen sie immer ganz begeistert angeklettert und kuscheln sich dermassen suess da drauf, dass sich selbst die maennlichen Volontaeren ein geruehrtes „Ohhh…“ nicht verkneifen koennen…

-Yuma scheisst drauf, ich bin angepisst: Tja, gestern war ein seltsamer Tag. Wir mussten Yuma einfangen, weil sie am Schwanz einen tiefen Schnitt hatte, der versorgt werden musste. Yuma wehrt sich lebhaft, wenn man sie greift und in den Vetroom traegt (Raum, wo alle Medikamente stehen, operiert wird etc.). Sie schreit nicht nur, nein, sie hat auch die Angewohnheit, so genannten Angst-Schiss von sich zu geben;) Anfangs konnte ich dem noch gut ausweichen, aber als sich dann alle Schleusen bei ihr oeffneten…tja…ihr koennt euch vorstellen, wie ich aussah. Wenig spaeter, umgezogen und Sachen ausgewaschen, stehe ich vorm Tukan-Kaefig und mache ein paar Fotos als ich ploetzlich etwas Warmes, Fluessiges auf meinem Arm spuere…ich schaue hoch: Amu…verdammt!!! Die sitzt einen Meter ueber mir und pinkelt…was ist denn heute los ey? ;)

 

Ach ja, bevor ich meinen Bericht beende, moechte ich noch einen persoenlichen Triumph verkuenden (eigentlich schon seit Wochen, habs aber immer wieder vergessen): Ich habe mein neues Lieblingsbuch „Die Bibel nach Biff“ ausgelesen, knapp 600 Seiten, fuer die ich keine 3 Wochen gebraucht habe. Ist so genial, dass ich jetzt noch mal anfange…KAUFEN, Leute, KAUFEN!

 

Muchas Besos aus Ecuador! :* :* :*

Kommentare (2) »

Habe neulich mal…

…ueber WEGE nachgedacht. Wir haben hinter unserer „Bar“ einen neuen Weg angelegt, da wars immer sehr sumpfig und matschig. Wir haben lange drueber gegruebelt, wie man das am besten macht: Kieselsteine, Beton, Holzplanken…gibt viele Moeglichkeiten, damit es ein guter Weg wird. Ich habe eher ueber Wege nachgedacht, deren Strassennamen „Lebensplanungen“ heissen. Wege, die sich mal kreuzen, die zueinander fuehren oder voneinander weg, die Einbahnstrassen sind oder vielleicht sogar als Sackgasse enden.

Erst faehrt jeder auf seiner eigenen Strasse, wenn man sich begegnet, steigt man bei dem anderen ein, faehrt ne Weile zusammen. Irgendwann dann aber ohne Sicherheitsgurt, kommt dann die gefuerchtete Weggabelung, wird man voneinander weggerissen.  Einer ueberholt den anderen gnadenlos, waehrend der mit Motorschaden (das Herz eines jeden Fahrzeugs) auf einem Parkplatz fest sitzt und da nicht weg kommt. Erst nach einer gefuehlten Ewigkeit kommt der Rettungshubschrauber und fliegt einen aus, weit weit weg. Raus aus allem, waeren da nicht die Gedanken. Die brauchen keine Transportmittel, die koennen ueberall sein, egal, wo sich der dazu gehoerige Kopf befindet…

 

Ihr seht, es gibt auch nachdenkliche Momente. Wenn man mal Ruhe findet, mit mp3-Player in der Haengematte, allein fuer sich, denkt man ploetzlich wieder an daheim. Ich reflektiere hier viel, was im letzten Jahr geschehen ist (auch wenn mich Ecuador in solchen Augenblicken -zumindest scheint es mir so- sofort wieder ins Hier und Jetzt und Bald zurueckholen moechte), was gut gelaufen ist, was daneben ging, was weh tat, was ich haette anders machen sollen, was alles ueber mich hereingebrochen ist, ohne dass ich aktiv darauf reagieren und es haette aendern koennen, mir blieb nur das Mitschwimmen im Fluss der Dinge. Es ist so viel passiert, so vieles aber auch nicht, was ich vielleicht gebraucht haette. Wie ich das alles sehe, was am Jahresende unterm Strich steht, ist noch etwas verschwommen, noch nichts Eindeutiges, es schwankt nach wie vor auf meiner Richter-Skala. Keine Ahnung, ob ich am Ende meiner Zeit hier in Ecuador ein festes Gedankensouvenir in meinen Rucksack stopfen kann.

Vielleicht kann das Damien Rice in „The Blowers Daughter“ (http://www.youtube.com/watch?v=5YXVMCHG-Nk) besser ausdruecken als ich.

 

Ich waere ja fuer Kieselsteine…fuer den Weg hinter der Bar. Hart, die halten was aus. Rund, da prallt viel ab. Und etwas holprig, wie die meisten Wege eben einfach sind…

Kommentare (3) »

„Ja, was machen Sie denn hier?“

Das hat ein ueberraschter Tourist aus Aachen zu mir gesagt, als ich ihm und seiner Gruppe ein froehliches „Willkommen im amaZOOnico!“ entgegen schmetterte…dass es hier noch andere Deutsche gibt…tja, kannste mal sehen ;) Und damit Hola und Bienvenidos zu den neuesten Dschungel-News! Habe mich mal wieder nach Tena geschafft, dieses Mal nicht mit einem der Klapperbusse wie sonst, sondern mit einem kleinen Lastwagen mit ueberdachter Ladeflaeche, der vorbei kam und uns mitgenommen hat, nachdem wir ueber eine Stunde auf einen Bus gewartet hatten. Die beste Fahrt, die ich je hatte, die „Strasse“ hinter einem und das dichte Urwaldgruen geben einem genau das Gefuehl, das man haben mag, wenn man eine solche Reise macht und zeigt einem wortwoertlich, welchen „langen Weg“ man hinter sich hat, um das hier erleben zu koennen…

Letzten Sonntag war HALBZEIT, bedeutet, dass mein erster Monat hier ueberschritten ist und nur noch knapp 4 Wochen bleiben, bevor es nach Peru weitergeht, das aber auch jede Menge Ueberraschungspotential in sich hat.

Die Arbeit laeuft nach wie vor super, ich uebernehme nun nicht nur die deutschen Touren, nein, seit Fasching erzaehle ich auch englischen Touristen jede Menge ueber unsere Tiere im amaZOOnico…

„She did a very good job“ oder Frau Holle mit Men:

Fasching hinter mich zu bringen ohne dass mich jemand mit Konfetti bewirft und Helau schreit, war mir ja seit Jahren ein Anliegen ;) Hier am Arsch der Welt ist dieses ganze Prozedere eh etwas reduzierter, die Leute verkleiden sich nicht, statt dessen gibt es Taenze in den Staedten und Doerfern und Schaumpartys, denen man aber gut aus dem Weg gehen kann. Fuer uns hiess Fasching vor allem: VIELE TOURISTEN! Die sonstigen 8-10 Touren am Tag vervierfachten sich fast. Wir waren aber gut geruestet, 15 Volontaere (unser Haus ist voll belegt, mehr geht nicht. Da wird allein jedes Abendessen zu einem gesellschaftlichen Ereignis;)) standen morgens parat. Die erste Tour ingles war dann meine. „Welcome to amaZOOnico, my name is Miriam, I`m from Germany and I`ve been working here as a volunteer for 2 month…“ die Gruppe war super nett, haben geholfen, wenn mir mal ein Wort fehlte (wer weiss schon, was Schildkroetenpanzer auf englisch heisst? :D), ich hab ihre Fragen verstanden, waren fast 2 Stunden unterwegs (normal ist etwa eine), weils so viel zu erzaehlen gab und am Ende meint ein Mann zu meinem Chef: „She did a very good job!“…joa, da ist man dann schon ein bisschen stolz und so dermassen motiviert, dass man gleich die 88 Stufen zum Rio runterspringt, um die naechste Gruppe in Empfang zu nehmen. Erst am Abend merkt man dann, wie fertig und erledigt man eigentlich ist, da entspannt es sich am besten in den Haengematten mit Maerchen-Hoerbuechern und Men, einem der lustigsten Volontaere hier. Es gab so viel Lachen, wenn das Brot bei Frau Holle z.B. mit tieeefer Stimme ruft: „Zieh mich raus, zieh mich raus! Sonst verbrenne ich. Ich bin schon laengst ausgebacken!“ :D Und wenn man dann am naechsten Tag Day off und frei hat und in der Haengematte eingeschlafen ist, wird man geweckt mit: „Es war einmal ein kleines Maedchen, das hat immer nur geschlafen!“ :D

Es gibt aber auch leider nicht so lustige Dinge. Letzte Woche sind gleich drei von unseren Tieren gestorben: Dalia, ein roter Ara, mussten wir einschlaefern, ihr ging es seit Monaten schlecht, die Medikamente wirkten nicht. Ich hatte ihr immer „Hey there Delilah“ vorgesungen, da wurde sie fuer einen kurzen Moment ganz ruhig und hoerte auf rum zu kraechzen… :( Dann wurde das Baby von einem Barizo (Totenkopfaeffchen) von anderen Barizos angegriffen und schwer verletzt, das Beinchen war komplett durch, da konnten wir nichts mehr machen. Und zwei Tage spaeter starb Esperanza, auch ein Barizo, sie hatte einen Wurm, der von Kakerlaken uebertragen wird und meistens toedlich endet…gerade sie, die alle kannten, die alle mochten… Ich meine, wir muessen uns mit so etwas auseinandersetzen, es kommt vor, nicht mal selten, aber es drueckt die Stimmung  jedes Mal.

Auch wurde Miriam, eine andere Volontaerin, von einem Wollaffen angegriffen, an Hand und Bein so stark verletzt, dass man an der Hand den Knochen sah. Unsere Tieraerztin Sonja hats genaeht, da das Krankenhaus in Tena nicht so gut ausgestattet ist wie wir im amaZOOnico. Sieht echt uebel aus und sie kann kaum noch was machen. Sie war erst drei Wochen hier und wollte noch bis Ende Maerz in einem unserer Auswilderungsstationen arbeiten. Nun liegt sie fast jeden Tag in der Haengematte oder oben an der Bar, ich flechte ihr die Haare (kann sie nicht mehr selbst) und heute ist sie mal mit nach Tena gekommen der Abwechslung wegen.

 

Frau A. Conda und ihre Maeuse…

Letzte Woche habe ich zum ersten Mal eine Anaconda gefuettert. Mit toten weissen Maeusen. 15 Stueck ueber 1,5 Stunden verteilt. Es ist genial, wie man die Maus an einem Stock ins Wasser haelt, dann der Kopf der Schlange zum Vorschein kommt und sie ganz ploetzlich zuschnappt. Die Touristen sind alle zusammengezuckt, zwei haben geschrien…Amateure :D Wobei ich gestern meine erste Maus umgebracht habe und fast geheult haette danach…der Moment, wenn du sie mit Wucht auf den Beton schlaegst und sie danach noch kurz zuckt, macht einen absolut fertig…nie wieder!

Time to go to school…

Genau einen Tag habe ich letzte Woche an der Escuela hier ausgeholfen. Die drei Lehrerinnen waren mit vier Klassen „etwas“ im Stress, so dass mein Stichwort „Lehramt“ bei einem Gespraech auf der letzten Party ein erleichtertes Laecheln bewirkte. Habe mit einer Schuelerin ein Fernprogramm gemacht, das echt interessant war. Generell werden die Kinder hier sehr gut ausgebildet, sie lernen neben Spanisch und Kiwscha auch Englisch und Deutsch (bzw. swiss-aleman;)), voll auf  Tourismus getrimmt ;) Der Vormittag war cool und lustig, trotzdem war ich froh, als ich dann wieder zu meinen Tieren konnte. Ich bin aus der Lehramtssache grade total raus, war ja auch Absicht nach einer Ueberladung im Examen. Da tut der Blick von Martina (einer Kapuzineraeffin mit unterschiedlich grossen Augen) total gut oder wenn man den winzigen Tamarinaffen beobachtet, wie er unglaeubig am Rand seines Futterschaelchen sitzt und kritisch aussortiert, was schmeckt und was nicht.

Nachtfahrt…in einer grau-schwarzen Suppe…

Ja, ich hatte und habe ja immer mal wieder eine Unterart von „Flugangst“ gehabt. Nun hat sich meine gesammte koerperliche Anspannung in einer solchen Situation auf ein anderes Ereignis zentriert. Wir waren vor ein paar Tagen in Ahuano, ein kleines Kaff etwa 25 Kanu-Minuten vom amaZOOnico entfernt. Die Hinfahrt war genial, Abenddaemmerung, diese Luft, das Wasser, mein Ecuador, die duenne Mondsichel am Himmel (meine Grinsekatze war wieder da), langsam kommen Lichter in Sicht (cool Strom! :D). Nach Bambus-Disko und zu viel Salsa (so abgefahren, jedes Lied hoert sich gleich an) gings mitten in der Nacht zurueck, um halb 3. Stockdunkel, Wasser schwarz, Ufer schwarz, Baeume schwarz, Himmel schwarz. Wir fahren groesstenteils ohne Licht, nur manchmal hoert man die Stimme des Motorista, der rechts oder Links ruft. Wir leuchten mit den Taschenlampen in die Dunkelheit, bis er Gracias ruft, dann wieder…nichts…man sieht einfach nichts. Trotzdem fahren wir mit dem Kanu den Rio Napo entlang, ueberStromschnellen, manchmal setzen wir leicht auf den Steinen auf, weil das Wasser zu seicht wird. Wechseln in den Rio Arajuno („unser“ Fluss), der zum amaZOOnico fuehrt. Wie weicht man da Aesten oder Steinen im Wasser aus? Woher wissen die Fahrer, wo sie langfahren koennen? Jule, eine Volontaerin beruhigt: „Ach, die fahren die Strecke so oft, die kennen die.“ Ich: „Aber wenn ich eine Strecke gut kenne, wuerde ich sie trotzdem nicht BLIND mitm Auto fahren!“ Pause…Jule: „Shit, gutes Argument!“ ;) Dann faengt es noch an zu blitzen, durch den Nebel streut sich das Licht fuer ein paar Sekunden ueber den Himmel. Die Stimmung ist gruselig, bin angespannt bis in die Haarspitzen, irgendwie denkt man, dass jeden Moment irgendwas passiert. Wie in den Horror-Filmen, in denen das Publikum im Kino die Popcorntueten festkrallt. Und das ca. 45 Minuten lang. Dann legen wir tatsaechlich am richtigen Ufer an, Yumas „Tschiiiirb“ in den Baumen (eine frei lebende Wollaeffin hier) beruhigt so sehr, ich schlafe trotzdem mit Wolldecke diese Nacht…huiiiii… ;)

Das war das Abenteuer der Woche. Da mein Bus bald faehrt und ich noch meine Waesche aus der Lavanderia abholen muss, beende ich meinen heutigen Bericht. Die Waesche kostet hier uebrigens 0.80 Cent pro Kilo…und sie ist sauber und vor allem trocken…der reine Luxus hier.

Ich melde mich naechste oder uebernaechste Woche wieder bei euch. Ist immer schoen, von euch zu hoeren, letzte Woche war mein Emailpostfach ueberfuellt, verzeiht mir das, nun sollte alles wieder funktionieren.

Alles Liebe aus dem Regenwald. Gruss und Kuss aus Ecuador!!! :)))

Kommentare (1):

Trompi, Trompi…

Ihr Lieben,

ich muss mich zunaechst mal entschuldigen, dass in dem letzten Beitrag dermassen viele Rechtschreibfehler waren. Das Word-Programm hier auf dem PC hat ne spanische Grammatik und verbessert immer von selbst, schiebt Buchstaben hin und her, so dass am Ende dann bissl Chaos entstanden ist. Konnte auch leider nicht mehr korrigieren, weil das Internet dann nicht mehr wollte und ich im Eiltempo Richtung Bus geflitzt bin und nur noch 5 Minuten in einem anderen Internetcafe hatte, um den Text dann hochzuladen. Hoffentlich laeuft das heute besser ;)

Jaaa, ich hab mich mal wieder auf den Weg gemacht nach Tena, um euch auf dem Laufenden zu halten. Erst mal: Mir gehts gut. Sehr gut sogar. Irgendwie wird die Zeit hier immer besser. Ich lerne die ganzen Volontaere besser kennen und die sind wirklich super nett. Letzte Woche sind drei neue Schweizer gekommen, mit denen ich mich z.B. super verstehe. Macht richtig Spass, abends nach der Arbeit in den Haengematten zu liegen und ueber Gott und die Welt zu philosophieren. Oder zusammen ne riesige Pizza zu machen. Oder im Rio ne Runde schwimmen zu gehen und Beata (einem Klammeraffen) dabei zu zu sehen, wie sie sich an einer Liane uebers Wasser schwingt und immer wieder mit ihrer Hand das Wasser streift (so suess). Die taegliche Arbeit ist irgendwie schon zu ner Routine geworden, was aber keineswegs langweilig bedeutet. Wenn Ori, unser kranker Nasenbaer, mit einem grossen Satz an die halb offene Kaefigtuer springt, waehrend man mit dem Schlauch sein Gehege ausspritzt und er dann ploetzlich im Flur rumflitzt und man ihn mit einem Besen dann wieder zurueckscheuchen muss, ist das einfach nur total witzig (auch, wenn er einen dann beleidigt anfaucht). Oder wenn die Schildkroete, die eine Deformation an den Hinterbeinen hat und die immer nach hinten wegstreckt, gestern Besuch von ein paar Weibchen bekommen hat und die es mal haben krachen lassen, so dass ein Weibchen sogar auf dem Ruecken lag „danach“ :D

In den letzten Tagen haben wir unsere amaZOOnico-Olympiade gemacht…d.h. zwei Teams, verschiedene Disziplinen (wie z.B. Guavas-Cutten, Platanos in Eimer werfen, einmal durch den Rio schwimmen, mit Bananenstauden die 88 Stufen zur Bodega hochrennen, ein Quiz mit Fragen zum amaZOOnico, usw. Unser Team hat 15:3, also haushoch gewonnen. Trompi, unser Graufluegeltrompeter war unser Maskottchen ;) und man hoerte gestern noch lange unseren Schlachtruf: TROM-PI TROM-PI!!! ;) Der gestrige Abend war eh total toll, haben den Abschied von einem Volontaer gefeiert und gleichzeitig den Geburtstag einer anderen Volontaerin mit bestimmt ueber 20 Leuten. Es floss viel Cerveza und viel Rum, ging bis tief in die Nacht in unserer Kueche und draussen am Lagerfeuer. Meine mp3-Musik wurde hochgelobt, hat total reingepasst. Total tolle Stimmung, selten so ne tolle Party erlebt. Dafuer sind wir alle heute „etwas“ muede und angeschlagen, aber ich kann mich ja spaeter dann in die Haengematte knallen ;)

Mit den Touristenfuehrungen laeuft es auch toll, vorgestern war ein Paar aus Aachen da, die waren total nett und interessiert. Werde diese Woche wohl mit den englischen und evtl auch mit den spanischen Touren starten, am Wochenende ist ja Fasching und da ist immer die Hoelle los, meinten die anderen Volontaere, bin mal gespannt.

Naechste Woche werde ich dann wohl meine Arbeitskraft zweiteilen ;). Die Schule hier im Centro hat zu wenig Lehrer, so dass ich Mittwoch, Donnerstag und Freitag wohl da vormittags aushelfen werde. Die Kinder lernen hier Deutsch, Englisch, Spanisch und Kichwa, das nenn ich mal zukunftsorientiert…und das hier mittem im rainforest.

So, dann mal noch die Krankenakte ;)…hatte letzte Woche mit meinen Insektenstichen zu kaempfen, auf einige Insekten reagiere ich ein „bissl“ staerker als erwuenscht, sprich: dicke, rote, grossflaechige Beulen an den Beinen, die sich aber mit Fenestil sehr gut eindaemmen liessen. Jucken jetzt nur noch normal ;) Dann noch eine leichte Verbrennung am Fuss, wo mir genau ein Tropfen heisses Fett draufgetropft ist (verdammt!). Das schaut im Moment irgendwie noch eklig aus, naesst auch ein bisschen. Desinfiziere, was das Zeug haelt, heut abend kommt dann noch fett Bepanten o.ae. drauf, wird schon werden.

Morgen habe ich wieder Leche zu machen, also den Wollaffen und zwei Totenkopfaeffchen Milch zu geben, was immer ein echtes Vergnuegen ist. Wie Yuma, eine Wollaeffin, ihre Milch aufsaugt und dann noch ewig die Schuessel ableckt, ist absolut genial. Eigentlich genau so schoen, wie wenn sich Amu und Flora (unsere kleinen Wollaffen, 1 Jahr und 7 Monate alt) abends auf ihre Waermflaschen kuscheln und ihnen dann langsam die Augen zufallen ;) Joa, ansonsten waren uns diese Woche die Ziegen ausgebuechst, weil einer das Tor offen gelassen hatte, eine hat sich lange versteckt, bis ich sie irgendwann unten am Fluss habe bloeken hoeren. Bin dann einmal durchs Wasser getappt und hab ihr das Gatter aufgemacht ;)

Letzte Woche mussten wir leider eine Ziege toeten (Bolzenschuss). Sie hatte eine ueble Infektion am Hintern, der war halb weggefressen von Maden und Wuermern, keine Chance auf Heilung. Miguel (einer der Manager hier) hat das Tier dann vor unseren Augen zerlegt. Macht schon n geiles Geraeusch, wenn die Knochen aus den Gelenken knacken oder man die Speiseroehre durchschneidet (glucker, glucker) :P

Gestern habe ich die ganzen Maeuse versorgt, Futtertiere fuer die Anakonda. Die tun mir ja echt leid, die schauen so suess aus, vor allem, wenn sie noch ganz klein und nackt da liegen :)

Unser Ameisennest in der Bar war fast weg, die sind in einer riesigen Ameisenstrasse durchs Fenster abgewandert (ein fetter dicker schwarzer Balken von Tieren an der Wand). Gestern Nacht war da allerdings eine erneute Invasion, der gesamte Boden voller kleiner schwarzer Krabbelviecher. Muss spaeter mal schauen gehen, wies heute ausschaut ;)

Gestern hat mir Joelle (unsere andere Managerin) die giftigste Schlange hier in dieser Region gezeigt. Bei einem Biss hat man 6 Stunden, bis bleibende Schaeden entstehen und 12, bis es richtig kritisch werden kann. Allerdings war die, die ich gesehen hab, ungefaehrlich. So konserviert in Alkohol ;)

Also Fazit: Man erlebt jeden Tag neue, spannende Sachen, die Stimmung zwischen den Volontaeren ist total toll und gemuetlich, freue mich auf die naechsten Tage und Wochen. Ach ja, Wetter: Perfekt, Sommer, warm, so wie man es sich wuenscht. Neidisch? :P

So, gerade sind noch einige andere Volontaere hier ins Internetcafe gekommen, die heute auch ihren freien Tag haben. Waren vorhin schon zusammen fruehstuecken im Cafe Tortuga, super lecker! :)

Drueck euch alle in den kalten Landen…Besos aus Ecuador :*

Kommentare (3) »